Lupe

Herbstauktionen 2020

Kunst des 19. Jahrhunderts

104

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, gen. „Goethe-Tischbein"

Haina 1751 – 1829 Eutin

Porträt des Hans Jakob Irminger. 1782

Öl auf Leinwand. Originalaufspannung. 70 × 55 cm. (27 ½ × 21 ⅝ in.) Rückseitig beschriftet von fremder Hand: “Joh: Jacob Irminger gebohren den 11 Sept. 1742 Verheiratet mit Sus. Nägeli in Jul. 1766. Nachher mit Barbara Fries den 20 Aug. 1781. Pinxit Tischbein der Älter in May 1782 … (unleserlich) 40 f.”.  [3704] Gerahmt 

EUR 10.000 – 15.000
USD 11,800 – 17,600

Verkauft für:
7.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Porträt des Hans Jakob Irminger

Auktion 322Mittwoch, den 2. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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Nach künstlerischen Lehrjahren in Kassel, Hamburg und den Niederlanden sowie erfolgreicher Porträtistentätigkeit am Berliner Hof wurde Johann Heinrich Wilhelm Tischbein von 1779 bis 1781 ein Italien-Stipendium der Kasseler Akademie gewährt. Auf der Rückreise blieb der Künstler mittellos in Zürich stecken. Dank seines Beschützers Johann Heinrich Merck konnte er in Zürich jedoch bei Johann Caspar Lavater vorsprechen. Dessen Wohlwollen gegenüber Tischbein und seiner Kunst brachte einen glücklichen Wendepunkt.
Es entstanden zahlreiche Bildniszeichnungen und die bekannten Gemälde von Johann Caspar Lavater und Johann Jacob Bodmer (beide Kunsthaus Zürich) sowie weitere gemalte Porträts Züricher Persönlichkeiten. Die physiognomischen Theorien Lavaters faszinierten Tischbein. Sie prägten seine Lebensweisheit und Kunst bis ans Lebensende. Begeistert zeichnete er im Dienst von Lavaters physiognomischen Projekten und gehörte bald zu dessen engstem Zirkel. Über Lavater erreichten erste Neuigkeiten zu Tischbein insbesondere Goethe. Den in Zürich durchreisenden jungen Prinzen Constantin von Sachsen-Weimar porträtierte er 1781 (Klassik Stiftung Weimar). Die Bildnisauffassung ist frappant ähnlich zu dem verlängerten Brustbildnis von Jacob Irminger, 1782. Der legere Habitus im Sinne des Sturm und Drang, der zurückhaltende Farbklang von Braun- bzw. Ocker-Tönen, Weiß und Dunkelblau stehen noch in Tischbeins hollandistisch geprägter Bildnisauffassung, lassen aber gleichzeitig in der Stilisierung und im malerischen Duktus seine sich verstärkende klassizistische Grundhaltung durchscheinen. Das Bildnis Jacob Irmingers zählt zu den bemerkenswerten Bildnissen Tischbeins aus dessen Züricher Aufenthalt 1781/82.

Prof. Dr. Hermann Mildenberger

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