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Ausgewählte Werke

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Lovis Corinth

Tapiau/Ostpreußen 1858 – 1925 Zandvoort

„Rote Rosen“. 1925

Öl auf Leinwand. 60 × 45,5 cm. (23 ⅝ × 17 ⅞ in.) Rechts in der Mitte signiert und datiert: LOVIS CORINTH 1925. Werkverzeichnis: Berend-Corinth/Hernad 981.  [3307] Gerahmt 

ProvenienzArthur Rosin, Berlin/New York (vom Künstler erworben) / Karen Gutmann, geb. Rosin, Berlin/New York (1926) / Privatsammlung, Schweiz / Privatsammlung, Süddeutschland

EUR 200.000 – 300.000
USD 238,000 – 357,000

Verkauft für:
250.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Rote Rosen“

Auktion 330Donnerstag, den 10. Juni 2021, 18.00 Uhr

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AusstellungLovis Corinth, Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis. Berlin, Nationalgalerie, 1926, Kat.-Nr. 412 / Lovis Corinth am Walchensee. Späte Bilder. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 2002, Kat.-Nr. 7, S. 38, Abb. S. 39 / Lovis Corinth. Seelenlandschaften: Walchenseebilder und Selbstbildnisse. Kochel am See, Franz Marc Museum, 2009, Kat.-Nr. 20, Abb. S. 69

Im Schaffen von Lovis Corinth nimmt die Stilllebenmalerei neben Historienbildern und Porträts einen gewichtigen Platz ein. Allein 188 der im Œuvreverzeichnis aufgeführten Werke dieses Fachs sind Blumenstücke, denn Blumen waren für den Künstler Sinnbild des Lebens. Charakteristisch ist dabei der Blick auf den Bildgegenstand aus größter Nähe. In unserem Werk aus dem Jahr 1925 stehen die Rosen dicht an dicht in einer schmalen Kristallvase. Diese erhebt sich auf einer Anrichte, deren dunkler Grundton mit der unbegrenzten Helligkeit des Raums kontrastiert. Das Weiß, das der Maler hier einsetzt, ist mit zahlreichen anderen Tönen versetzt und erlangt im Vielklang seine Strahlkraft. Helle Lichter fliegen aus dem Weiß auf die Kelche der Rosen und sinken hinab bis zu ihren grünen Blättern. Die kurvig geschwungene Aufsatzkante des Möbels ist mit Anhöhen und Senken wie eine Landschaft beschrieben, in der Auflösung der Einzelheiten jedoch völlig abstrakt. Denn es geht dem Maler nur um die Blumen, ihre flüchtige Schönheit, ihr schnelles Werden und Vergehen. Vor allem das leuchtende Kolorit mit seinen Nuancen von Rot beherrscht die Komposition. Die Farbpracht der Blütenblätter mit den Aufhellungen und Höhungen steht in Gegensatz zu den sattgrünen Blättern. Die Vase selbst ist die brillante Kurzfassung der geschliffenen Reflexe des Glases, der Hintergrund scheint prächtig auf, den Ort weiter zu beschreiben ist nicht wichtig. Im flächig angelegten und sich doch weit und unendlich erstreckenden Raum gehen die Konturen von Blumen und Vase in der lockeren, impulsiven Pinselschrift Corinths vollkommen auf. Das Bild nimmt einen kurzen, prachtvollen Anblick auf und ist zugleich voll von tiefempfundenem Ausdruck; es lässt die Schnelligkeit erahnen, mit der der Maler den unmittelbaren Eindruck zum Anlass für ein Gemälde nahm, und verdeutlicht die Ernsthaftigkeit, ihr Dauer zu verleihen. In seiner gestisch aufgelösten, intensiven Farbigkeit mutet das Stillleben ganz modern an und belegt einmal mehr, wie wegweisend Corinth für zahlreiche Maler nachfolgender Generationen ist. „Rote Rosen“, eines seiner letzten Werke überhaupt, ist ein großartiges Beispiel seiner kühnen und kraftvollen Malerei und ein Zeugnis der Sinnenfreude und Lebenslust, die das gesamte Schaffen Corinths durchzieht. EO

• Eines der letzten Gemälde des Künstlers
• Typisches Beispiel für die Sinnlichkeit der Malerei von Corinth
• Die Blumenpracht als Verweis auf den Kreislauf von Werden und Vergehen

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