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Sander Collection

662

Heinrich Hoerle

1895 – Köln – 1936

„Vordermann“. 1932

Wachskreide auf festem Papier. 42,5 × 35,5 cm. (16 ¾ × 14 in.) Oben rechts monogrammiert, datiert und bezeichnet: 19h32 3. Werkverzeichnis: Backes II 3.  [3459]

ProvenienzEhemals Alexe Altenkirch, Köln/Kreuznach

EUR 40.000 – 60.000
USD 47,600 – 71,400

Verkauft für:
150.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Vordermann“

Auktion 333Donnerstag, den 10. Juni 2021, 15.00 Uhr

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AusstellungGesamtausstellung Heinrich Hoerle. Köln, Kölnischer Kunstverein, 1932 / Zeitgenossen. August Sander und die Kunstszene der 20er Jahre im Rheinland. Köln, Josef-Haubrich-Kunsthalle, und Kiel, Kunsthalle, 2000, Kat.-Nr. 392, Abb. S. 177 / Los progresistas de Colonia. August Sander y su círculo de amigos. 1920–1933. Valladolid, Museo de Pasión, Sala Municipal de Exposiciones, 2012/13, ohne Nr., Abb. S. 51

Literatur und AbbildungAuktion 670: Moderne Kunst. Köln, Lempertz, 7.12.1996, Kat.-Nr. 821, m. Abb

Das Bild „Vordermann“ ist ein herausragendes Beispiel für die letzte Schaffensphase im Werk Heinrich Hoerles, in der er sich der Wachsmalerei zuwendet und zugleich den Themenkreis der Arbeitswelt endgültig hinter sich lässt. Seine späten Werke kennzeichnet eine inhaltliche Allgemeingültigkeit, die vielfältige Interpretationen ermöglicht. Künstlerisch knüpft Hoerle wieder an die konstruktivistische Phase der frühen Zwanzigerjahre an. Die damals aufkommende Malerei der Neuen Sachlichkeit, wie sie etwa sein Freund Anton Räderscheidt betreibt, beeinflusst ihn wenig, wohl aber teilt er deren Faszination für surrealistische Motive und Inhalte.
Hoerles Bild ist im Sinne konstruktivistischer Malerei strikt geometrisch aufgebaut: Eine senkrechte Symmetrieachse trennt eine intensiver kolorierte Bildhälfte rechts von einer aufgehellten links. Schatten- und Lichtzonen werden so markant voneinander geschieden. Abgesehen von den stark stilisierten, zylindrischen Baumstämmen und deren Ästen im oberen Bildteil setzt sich das Bild aus unterschiedlich kolorierten Farbflächen zusammen, zumeist Rechtecken oder Quadraten, aber auch Trapezen (im Bereich des Kragens) und Viertelkreisen (an den Schultergelenken). Akribisch gesetzte kurze Pinselstriche innerhalb der Flächen deuten die Stofflichkeit dieser reduzierten Dingwelt an. So wird eine Wiese erkennbar, diverse Blumenbeete, Blattgrün sowie ein kleiner Himmelsausschnitt. Die namensgebende Figur mit dem perfekt gekämmten Haar und auffallend geröteten Ohrmuscheln betrachtet still dieses leuchtende Farbenspiel. Ähnliche Rückansichten solch „stummer Zeugen“ finden sich auch bei Räderscheidt. Insbesondere dessen Männer mit Bowlerhut weisen eine deutliche Nähe zu dem großen Surrealisten René Magritte auf. Dies trifft auch auf Hoerle zu: 1932 schuf er mit dem Wachsbild „Zwei Männerköpfe, Vorstadt (Kleinbauern)“ ein Pendant zu unserem Bild, in welchem ein nahezu identischer „Vordermann“ neben einem Partner zu sehen ist. AF

Zu den Textbeiträgen der Sander Collection.

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