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Ausgewählte Werke

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Ernst Ludwig Kirchner

Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos

„Im Palast der Prinzessinnen“. Um 1922

Öl auf Leinwand. 25,3 × 32,2 cm. (10 × 12 ⅝ in.) Unten rechts und rückseitig oben links signiert: E L Kirchner. Werkverzeichnis: Nicht bei Gordon. Das Gemälde ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv, Wichtrach/Bern, registriert.  [3048] Gerahmt 

ProvenienzFerdinand Oechsle und Carolina Pruss, Schweiz (um 1930) / Privatsammlung, Lima (durch Erbschaft) / Privatsammlung (durch Erbschaft) / Privatsammlung, Hessen

EUR 120.000 – 150.000
USD 140,000 – 174,000

Verkauft für:
212.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Im Palast der Prinzessinnen“

Auktion 336Donnerstag, den 2. Dezember 2021, 18.00 Uhr

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Den Reiz der Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“ hatte Ernst Ludwig Kirchner bereits 1906 entdeckt – und sich davon zu einem Zyklus von Holzschnitten inspirieren lassen. Nach dem Ersten Weltkrieg und in der Abgeschiedenheit der Schweizer Alpen beschäftigten die orientalischen Märchen den Expressionisten immer noch. „Es ist zu schön, dass Sie sich so in 1001 Nacht hineingelesen haben“, schrieb er im Dezember 1920 an Nele van de Velde, die Tochter des belgischen Designers und Architekten Henry van de Velde, der seit 1918 mit seiner Familie ebenfalls in der Schweiz lebte (E.L. Kirchner. Briefe an Nele und Henry van de Velde, München 1961, S. 34–36).
Der angehenden Künstlerin empfahl er die Stoffe aus den Märchen als Anregung für neue Werke: „Das beste Mittel ist: wenn man darin gelesen hat, aufstehen und irgend einen alltäglichen Vorgang im Hause oder draußen zeichnen, so genau man nur kann. Dann leitet man die sinnliche Zärtlichkeit, die das Buch einem gibt, in die Malerei und ins Leben.“
Die „sinnliche Zärtlichkeit“, die er in den Erzählungen wiederfand, sollte er selbst wenig später in dieses um 1922 entstandene Gemälde übertragen: Eine Gruppe junger Frauen sitzt barbusig ins Gespräch vertieft in einem Palast beieinander. Die Leiber der titelgebenden Prinzessinnen, durch markante Umrisslinien voneinander abgegrenzt, strahlen eine bezaubernde, einander zugewandte Intimität aus. Dieser Eindruck wird unterstützt und noch gesteigert durch von Rundbogen geprägte Architektur im Hintergrund.
Während sich in der Gestaltung der Physiognomien und Körper der Frauen der Einfluss Picassos zeigt, erscheint als interessantes Detail die Figur vorn links aus der Schweizer Bergwelt zu stammen, zumindest legt das ihre Kopfbedeckung nahe. Im Gegensatz zu dem ca. ein Jahr später entstandenen Holzschnitt, der das Motiv mit harten Konturen entwirft, steigert unser Gemälde das Sujet zu einer dekorativen Komposition von besonderer malerischer Rafinesse.
GK

• Moderne Hommage an die Erzählungen aus „Tausendundeiner Nacht“
• Entstanden in Ernst Ludwig Kirchners Schweizer Schaffensphase in Davos
• Raffinierter Farbklang aus Rot- und Grüntönen

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