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Ausgewählte Werke

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Karl Schmidt-Rottluff

Rottluff 1884 – 1976 Berlin

„Stickendes Mädchen“. 1909

Aquarell über Kreide auf gelblichem Karton. 66 × 46,8 cm. (26 × 18 ⅜ in.) Oben links signiert und datiert: S. Rottluff 1909. Rückseitig mit Bleistift betitelt: Stickendes Mädchen. Werkverzeichnis: Das Aquarell ist registriert im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin.  [3218] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Süddeutschland (Ende der 1950er-Jahre bei der Galerie Elfriede Wirnitzer, Berlin, erworben) / Privatsammlung, Berlin

EUR 200.000 – 250.000
USD 233,000 – 291,000

„Stickendes Mädchen“

Auktion 336Donnerstag, den 2. Dezember 2021, 18.00 Uhr

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Karl Schmidt-Rottluffs frühes, farbfrisches Aquarell eines stickenden Mädchens vereint Einflüsse unterschiedlichster Herkunft zu einem zielsicheren neuen Stil und stößt zugleich weit das Tor in eine zukünftige Malerei auf. Mit gesenktem Haupt konzentriert sich die Sitzende auf ihre Handarbeit. In flüchtigem, sehr bewegtem Pinselstrich scheint die Komposition in wenigen Augenblicken spontan und zügig auf das Papier gebracht worden zu sein. Einem flüssig geschriebenen Text vergleichbar, steht sie wie aus einem Guss vor uns. Die von Schmidt-Rottluff verwendeten Farben bleiben nicht auf fest definierte Bereiche, etwa Haartracht, Kleidung und Umgebung, beschränkt, sondern sind an vielen Stellen gleichzeitig in wechselnden Zusammenstellungen anzutreffen. Das kräftige Grün, das an den beiden oberen Ecken der Komposition den umgebenen Raum andeutet, findet sich zum Beispiel ebenso wie das großflächige Oliv im Gewand der Frau wieder. Das satte Rot der Ärmel ihres Kleides wird in der Frisur erneut verwendet. Ein leuchtendes Blau bringt eine weitere Stimme in diesen Farbklang ein. Für dieses Aquarell ist charakteristisch, was sich auch an den zeitgleichen Ölgemälden konstatieren lässt: Farbe, hier die flüssige Lavierung des Aquarells, macht ausdrucksvoll einen Malprozess sichtbar. Das Kolorit Gauguins oder der Fauves, die nervös-strukturierte Pinselschrift der Post-Impressionisten oder van Goghs verbinden sich in Schmidt-Rottluffs Werk. Um Emotionen geht es ihm, nicht um ein illusionistisches Abbild.
Das Motiv kann sich auf eine lange Tradition berufen – man denke nur an Vermeers „Spitzenklöpplerin“ im Louvre. Der locker und zeichnerisch angelegte Aufbau des Körpers in der Fläche definiert sich bei Schmidt-Rottluff über die Farbe, raumgreifende Präsenz erlangt er durch den spontanen und heftigen Pinselstrich.
Unser „Stickendes Mädchen“ ist eng verwandt mit dem Aquarell „Bei der Handarbeit“ im Brücke-Museum, Berlin, und von derselben musealen Qualität.
EO

• Seltenes, großformatiges Aquarell aus der Frühzeit des Brücke-Künstlers
• Zeigt eindrucksvoll den spontanen Malprozess Karl Schmidt-Rottluffs
• Eng verwandt mit dem Aquarell „Bei der Handarbeit“ im Brücke-Museum, Berlin

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