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Ausgewählte Werke

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Franz Radziwill

Strohhausen 1895 – 1983 Wilhelmshaven

„Oststrand von Dangast“. 1932

Öl auf Holz. 100,5 × 113,5 cm. (39 ⅝ × 44 ⅝ in.) Unten links signiert und datiert: Franz Radziwill 1932. Rückseitig mit Pinsel in Schwarz mit der Werknummer bezeichnet: 184. Dort auch ein Etikett des Kunsthauses Schaller, Stuttgart. Auf der Rahmenrückseite jeweils ein Etikett der Galerie Commeter, Hamburg, und der Kunsthalle Emden (s.u.). Werkverzeichnis: Schulze 382.  [3268] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Stuttgart / Galerie Michael, Bremen / Privatsammlung, Norddeutschland

EUR 180.000 – 240.000
USD 209,000 – 279,000

Verkauft für:
225.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Oststrand von Dangast“

Auktion 336Donnerstag, den 2. Dezember 2021, 18.00 Uhr

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AusstellungNeue deutsche Romantik. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1933, Kat.-Nr. 15 / Franz Radziwill 1895–1983. Emden, Kunsthalle, 1995, Kat.-Nr. 70, Abb

Dangast, jenes kleine Fischerdorf am Jadebusen, das Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel 1907 entdeckten – ein besonderer Ort in der Geschichte des Brücke-Expressionismus. Später riet Schmidt-Rottluff mitten im Gewühl der Metropole Berlin seinem jüngeren Malerkollegen: „Franz, ich bin früher oft in Dangast gewesen. Das ist bestimmt was für dich.“ Und tatsächlich: Radziwill ging 1921 nach Dangast, erwarb 1923 ein Haus an der Sielstraße, baute es um – und blieb.
Der erste Winter: „Stelle Dir vor, was dieser Frost für eine Landschaft geboren hat“, schreibt er einem Freund. „So ein Maler-Beruf ist doch eigenartig, glaubst Du, dass es Berufe gibt, die einen so einfangen können [...] da kommt der Pinsel jetzt mir in die Hand da ist Feuer und Feind in die Landschaft gefahren [...]. Es ist das Herrlichste im Leben glaube ich: Beide Hände voll Pinsel und Farbe.“ In Dangast erlebte er jene stillen Winter, die alle Farben mit Weiß überdecken. Zugleich erlebte er die Fülle des Lichts, das in immer neuer Brechung die Landschaft und den Himmel ergreift. Die Wintermonate am Meer bergen besondere Geheimnisse. Sie entlassen einen überwältigenden Himmel, durch den ein fernes Nordlicht geistert, grün hinter einer flach über dem Horizont stehenden, leuchtend-verhangenen Sonne. Als Zeugen menschlicher Abwesenheit: Drei Boote. Ein reetgedecktes Fachwerkhaus. Fußspuren im Schnee am Rande des schmalen Geestrückens, der sich hier – nur hier an der ganzen Nordseeküste – erhebt zwischen Marsch und Moor, eichenbestanden. Im Hintergrund: die Windmühle von Dangast und die hohen Schlote der Ziegelei am Vareler Hafen. Sie hatten Erich Heckel schon 1907 fasziniert.
Franz Radziwill lebte über sechzig Jahre in den großen Rhythmen am Rande des Meeres. Da war der Wechsel von Ebbe und Flut, Sturm und Stille, vertrauter Nähe und unbekannter Weite bis an den Rand des Horizonts. Er ging in seinen Bildern einer magisch besetzten Wirklichkeit nach, die in das Zentrum der Neuen Sachlichkeit gehört. Seine Werke verdichten eine nur scheinbar idyllische, zugleich von apokalyptischen Schauern durchzuckte Wirklichkeit. Landschaften wie „Oststrand von Dangast“ müssten letztlich „Himmelschaften“ heißen.
Gerd Presler

• Entstanden in Dangast, einem bedeutsamen Ort für den Brücke-Expressionismus
• Radziwill zeigt eine von apokalyptischen Schauern durchzuckte Wirklichkeit
• Gemälde Franz Radziwills befinden sich in vielen wichtigen Museen, u. a. in der Neuen Nationalgalerie, Berlin, der Kunsthalle Bremen und der Pinakothek der Moderne, München

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