Lupe

Kataloge online

Ausgewählte Werke

46

Marianne von Werefkin

Tula 1860 – 1938 Ascona

Sängerin. Um 1907/08

Gouache, Farbkreide und Tuschpinsel auf braunem Papier. 19,5 × 24,7 cm. (7 ⅝ × 9 ¾ in.) Rückseitig mit Kugelschreiber in Schwarz vom Neffen der Künstlerin beschriftet: Marianne von Werefkin Skizze aus dem Nachlaß meiner Tante Bestätigt Alexander v. Werefkin. Auf der Rückpappe ein Etikett der Galleria Castelnuovo, Ascona.  [3084] Rahmen: Spanien, Mitte 18. Jahrhundert 

ProvenienzGalleria Castelnuovo, Ascona (1968) / Roswitha von Bergmann, Düsseldorf (1999) / Maren Otto, Hamburg (2007 bei Galerie Margret Heuser, Düsseldorf, erworben)

EUR 30.000 – 40.000
USD 29,100 – 38,800

Sängerin

Auktion 346Donnerstag, den 1. Dezember 2022, 18.00 Uhr

Gebot im NachverkaufLos empfehlen

Zustandsbericht anfordern

AusstellungMarianne von Werefkin. Ascona, Galleria Castelnuovo, 1968 / Marianne Werefkin. Die Farbe beisst mich ins Herz. Bonn, August Macke Haus, 1999/2000 (= Schriftenreihe Verein August Macke Haus, Bonn, Nr. 31), S. 200, Abb. S. 100 / Herbstausstellung 2007. Düsseldorf, Galerie Margret Heuser. 2007, o. S., m. Abb

Marianne von Werefkin, begüterte Tochter eines adligen russischen Generals, gab 1896 temporär die eigene Malerei auf, um ihren fünf Jahre jüngeren Lebenspartner Alexej von Jawlensky künstlerisch auszubilden und zu fördern. Uneigennützig ordnete sie ihre persönlichen Ambitionen ganz seinen Erfolgsaussichten in der von Männern dominierten Kunstwelt unter. Ein fast einjähriger Aufenthalt in Paris von 1906 bis 1907 war für sie schließlich der entscheidende Impuls, sich nach zehn Jahren Abstinenz wieder der eigenen Kunst zu widmen.
Unsere „Sängerin“ entstand – inspiriert durch zahlreiche Varieté-, Tanz- und Theater-Besuche in der französischen Metropole – in dieser wichtigen Lebensphase. Werefkin konzentriert sich ganz auf die gestikulierende Figur und verzichtet bewusst auf alles schmückende Beiwerk. Der Bühnenraum ist nur marginal mit dunkelroter und blauer Aquarellfarbe angedeutet, welche nach der Trocknung mit weißer Farbkreide horizontal schraffiert wurde. Die Luft scheint nun zu vibrieren, die Atmosphäre aufgeladen. Gleiches vermittelt die mit hellblauer Deckfarbe gemalte wolkige Struktur, die den vorderen Bühnenrand beschreibt. Die Sängerin trägt ein eng anliegendes, trägerloses schwarzes Ballkleid, auf dem graue Strukturen Lichtreflexe von Pailletten oder Perlen andeuten. Ein flacher, blauer Hut und eine ins Haar gesteckte rote Blume komplettieren ihre Garderobe. Oberkörper, Arme und Hals sind einheitlich in Hauttönen wiedergegeben. Größte Sorgfalt widmet Werefkin dem fein gezeichneten Gesicht mit dem schmalen roten Mund und einem seitlich nach unten gerichteten Blick. Haltung und Gestik der Vortragenden lassen vermuten, dass wir Zeuge des Moments werden, in dem sie sich so elegant wie demutsvoll vor dem Beifall ihres Publikums verneigt. ​AF

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.