Lupe Stift

Herbstauktionen 2019

309

Richard Wagner

Leipzig 1813 – 1883 Venedig

Brief an Malwida von Meysenbug (1816–1903) – „’Wahn! Wahn! ueberall Wahn!‘ Das ist jetzt mein Thema – !“. Luzern, Tribschen, 1. Juli 1867

Feder auf Papier. 3 Seiten. 8°. [3261]

ProvenienzMalwida von Meysenbug (1816–1903) / Privatsammlung, Bayern

EUR 15.000 – 20.000
USD 16,500 – 22,000

Brief an Malwida von Meysenbug (1816–1903) – „’Wahn! Wahn! ueberall Wahn!‘ Das ist jetzt mein Thema – !“

Auktion 312Donnerstag, den 28. November 2019, 15.00 Uhr

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Literatur und AbbildungMalwida von Meysenbug: Genius und Welt. Briefe von Richard Wagner. In: Cosmopolis. Revue internationale, Bd. 3, Nr. 8, August 1896, S. 555–571, S. 569-571 / Auktion 671: Autographen aus allen Gebieten. Berlin, J.A. Stargardt, 30./31.3.1999, Kat.-Nr. 978, S. 393 / Richard Wagner: Neue Dokumente zur Biographie, hg. von Walter Beck. Tutzing, 1988, S. 188f

Liebste Freundin. „Wahn! Wahn! ueberall Wahn!“ Das ist jetzt mein Thema – ! Dass Sie glauben mochten, ich antworte Ihnen nicht, weil mir’s gut ginge, ist einmal wieder eines der sonderbarsten qui pro quo; die vorkommen können. Ihre Briefe – noch die nach Penzing (bei Wien) – trafen mich, während Sie [in] Italien schwelgten, in permanenter Auflösung und Verzweiflung darüber, diese Bestie von Leben mir soweit zurecht legen zu können, dass ich nur wenigstens einmal ein Jahr Ruhe zum Arbeiten hätte. Damals Ihnen zu antworten, wo ich von Tag zu Tag eben nur auf dem Sprunge von einem Abgrund zum andern war, wär’ reiner Unsinn gewesen: glauben Sie mir! Nun – kam ich nach München; da ging mir’s gut – nicht wahr?? – O Kind!! Haben Sie eine Ahnung von dem, was ich nun dort endlich noch zu erleben hatte? Oder meinen Sie wirklich, wenn ich mein Auskommen und gute Wohnung hätte, ob ich um dieser unerhörten Gunst willen nun zerrissen und in allen Schmutz geschleppt würde, ginge mir’s „gut“? Gott, Alles wieder hinzuwerfen war ich jeden Augenblick bereit, was mich einzig zurückhielt, war die wirkliche Liebe zu meinem jungen, wunderlichen und – vielleicht – wunderbaren Freunde, um den ich mehr gelitten habe, als je um einen Menschen. Aber – wie könnte ich Ihnen das so leicht mittheilen? Ich hab’ ihn gerettet, und hoffe immer noch, in ihm der Welt eines meiner besten Werke erhalten zu haben ! – Sie hörten von meiner Entfernung aus München – im Dezember 1865: ich ging nach Genf, athmete auf, sah nach Südfrankreich oder Italien aus, um mich wo gut unterzubringen, und endlich einmal wieder arbeiten zu können. Nun! da dachte ich denn an Sie, und sah mich auch nach Ihnen um, denn, da mein Entschluss gefasst war – nur wieder zu arbeiten, dämmerte mir das „Gut“gehen auf, und, wenn’s gut geht, gedenke ich eben meiner Freunde, – nicht umgekehrt, wenn’s schlecht geht. O Sie Thörin! – […] Ausserdem ging in meinem Rücken der Teufel wieder los: ich durfte nicht zu weit fort von München, wollte ich die Thronentsagung des jungen Königs verhüten. Im Anfang April 1866 miethete ich diess Landhaus bei Luzern, wo ich mich nun für 6 Arbeitsjahre niedergelassen habe. Schreckliche Nöthen waren noch vorigen Sommer zu bestehen, doch setzte ich die Musik der „Meistersinger“ durch. Endlich einmal wieder ein Werk fertig! Nach München gehe ich nur zu Besuch. Dort hab’ ich nun Bülow gut gestellt: er führt meine Musik am Besten aus. Die „Meistersinger“ sollen Anfang nächsten Winter’s herauskommen: zu der Aufführung kommen Sie: hören Sie! das ist mein Meisterwerk: Keines reicht an dieses. – […] Nun – jetzt war eben diese „Ruhe“ einmal wieder schwer zu behaupten. Sie schickten mir jemand nach München? – Ja! wie schon schnell ich wieder von dort fort war! Hier bin ich, immer etwas leidend, mit einem grossen u. kleinen Hund, einem guten jungen Musiker als Secretär, in wundervoller Gebirgswelt, und componire „Wahn! Wahn! Ueberall Wahn!“ – Nun lassen Sie hören, da ich mich wirklich etwas „gut“ befinde. Von Herzen Ihr Richard Wagner“

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