Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

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Stephan Balkenhol

Fritzlar 1957 – lebt in Meisenthal/Frankreich

„Große Wandfigur mit schwarzer Hose“. 1997

Holz (Douglasie), farbig gefasst. 307 × 104 × 21 cm. (120 ⅞ × 41 × 8 ¼ in.) [3168]

ProvenienzPrivatsammlung, Europa

EUR 80.000 – 120.000
USD 86,000 – 129,000

Verkauft für:
68.750 EUR (inkl. Aufgeld)

„Große Wandfigur mit schwarzer Hose“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Stephan Balkenhol schuf die Skulptur für eine temporäre Ausstellung in der Halle Verrière Cadhame, der alten Glasfabrik in Meisenthal, Lothingen.

Literatur und AbbildungAndreas Franzke: Stephan Balkenhol. Vor Ort. Text, Interview und Werkverzeichnis, Ostfildern-Ruit, Hatje-Cantz, 2001, Abb. S. 94 / Ausst.-Kat.: Stephan Balkenhol. Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien und Material. Hannover, Sprengel Museum, 2003, m. Abb. (nicht ausgestellt) / Andreas Franzke: Stephan Balkenhol. Public. Die Skulpturen im öffentlichen Raum, 1984–2008, Ostfildern, Hatje-Cantz, 2009, Abb. S. 32 u. S. 120

Sie stehen da und tun nichts. Manchmal, wie bei der deutlich überlebensgroßen Skulptur „Große Wandfigur mit schwarzen Hosen“ von 1997, haben sie die eine Hand in der Hosentasche, legen die andere an den Oberschenkel und halten ihren Kopf leicht nach rechts gedreht.
Wenn es sich um männliche Figuren handelt, tragen sie immer eine schwarze – oder sollte man besser sagen: eine neutrale – Hose und ein weißes neutrales Hemd. Und immer geht ihr Blick in die Ferne, die, auch für diese Interpretation gibt es bei Balkenhol gute Gründe, tatsächlich wohl eher eine Leere ist.
Mit Skulpturen wie der „Großen Wandfigur mit schwarzen Hosen“ wurde der Bildhauer, Zeichner und Grafiker Stephan Balkenhol zu einem der bekanntesten europäischen Künstler der Gegenwart. Heute überwiegend im französischen Meisenthal in Lothringen lebend, gehört Balkenhol zu der Generation von Künstlern und Künstlerinnen, die sich in den 1980er-Jahren daran machte, die Figuration in der Kunst von den bis dahin gültigen Traditionen zu befreien und auf ein völlig anderes Niveau zu heben.
So stellt auch die „Große Wandfigur mit schwarzen Hosen“ von 1997 nichts dar. Sie ist kein Porträt, hat keine allegorische Funktion. Sie steht für eine ganz neue Art, über Kunst nachzudenken. Die „Große Figur“ ist, im Sinne der amerikanischen Concept Art nach Sol LeWitt, ein Platzhalter – eine per Definition unfertige Arbeit, die ihre Vollendung erst durch den Akt der Reflexion durch die Betrachterinnen und Betrachter erfährt. Sie ist die Skulptur gewordene Emanzipation.
UC

* Charakteristisches Werk eines der bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer
* Überlebensgroße Figur, in diesem Format selten im Kunsthandel
* Die Skulpturen Stephan Balkenhols stehen in vielen deutschen Städten an prominenten Plätzen

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