Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

41R

Bernhard Heiliger

Stettin 1915 – 1995 Berlin

„Kleiner Fährmann, zweite Fassung“. 1956/59

Bronze mit schwarzbrauner Patina, auf Marmorsockel montiert. 101 × 84 × 23 cm. (39 ¾ × 33 ⅛ × 9 in.) Auf der hinteren Schmalseite unten gestempelt: 3. Unter dem Marmorsockel ein Etikett der Staempfli Gallery, New York. Werkverzeichnis: Wellmann 214. Einer von 3 Güssen (einer davon in der Sammlung der Nationalgalerie, Berlin).  [3196]

ProvenienzEhemals Privatsammlung, USA

EUR 25.000 – 35.000
USD 26,900 – 37,600

Verkauft für:
50.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Kleiner Fährmann, zweite Fassung“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungBernhard Heiliger. New York, Staempfli Gallery, 1961, Kat.-Nr. 12

Im Jahr 1956 beteiligte sich Bernhard Heiliger an einem Kunstwettbewerb, den die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Stuttgart ausgeschrieben hatte. Dabei ging es um eine Skulptur, die auf einer Brücke an einer stark frequentierten Straße in der Stadt Esslingen aufgestellt werden sollte. Heiliger gewann den ersten Preis mit dem „Großen Fährmann“ – die imposante, etwa sieben Meter hohe Bronzeplastik steht dort noch heute, wo täglich Zehntausende von Pendlern an ihr vorbeifahren.
Heiligers Schaffen zeichnet sich dadurch aus, dass es der Künstler meisterlich versteht, in seinen Arbeiten Figuration und Abstraktion in eine filigran austarierte Balance zu bringen. Besonders bei der Behandlung der Oberflächen und der Organisation der Umrisse nahm er sich Freiheiten, die den Betrachterinnen und Betrachtern ganz neue Möglichkeiten des Sehens eröffnen.
Die Bronze „Kleiner Fährmann II“ von 1956/59 entspricht der Großplastik in Gestalt und Komposition in fast allen Aspekten. Jedoch hat Heiliger bei dem hier präsentierten zweiten Entwurf des Fährmanns gegenüber dem „Großen Fährmann“ einige, zunächst kaum wahrnehmbare, bedeutsame Details verändert. Im Vergleich zur ersten Version scheint er nicht mehr ganz so aufrecht zu stehen – als müsse er sich gegen Unwetter stemmen, die ihm entgegenschlagen.
Wer will, mag darin einen Kommentar zum so genannten Esslinger Kunststreit erkennen, der dem Wettbewerb von 1956 vorangegangen war und in dem der Bildhauer Otto Baum auf sehr unangenehme Weise verunglimpft wurde –und damit war Heiliger definitiv nicht einverstanden. Aber darin liegt auch die Kraft großer Kunst: Sie ist stets komplex und vielschichtig. Heiligers Plastiken sind dafür ein eindrucksvoller Beleg.
UC

* Bernhard Heiliger war einer der erfolgreichsten Bildhauer der Bundesrepublik
* Die große Version des „Fährmanns“ ist ein Wahrzeichen der Stadt Esslingen
* Filigrane Balance zwischen Figuration und Abstraktion

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