Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

26R

Koloman Moser

1868 – Wien – 1918

„Sitzende Dame im Korbstuhl“. Um 1910

Öl auf Leinwand. Doubliert. 110 × 74 cm. (43 ¼ × 29 ⅛ in.) Werkverzeichnis: Pichler/Kohlbacher/Wienerroither GE 49a.  [3166] Gerahmt 

ProvenienzHans Kühn, Wien / Privatsammlung, Wien (1947–2012) / Privatsammlung, Europa

EUR 80.000 – 120.000
USD 86,000 – 129,000

Verkauft für:
81.250 EUR (inkl. Aufgeld)

„Sitzende Dame im Korbstuhl“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Literatur und AbbildungVersteigerungskatalog: Dorotheum, Wien, 13.3.1947

Woran sie wohl denken mag? Eine Frage, die sich zwangsläufig stellt, wenn man die unbekannte Dame in Gelb betrachtet. Es ist ihr Blick, der vom ersten Moment an fesselt. Er geht am Betrachter vorbei, hinaus aus dem Bild, und ist doch nachdenklich nach innen gerichtet. Ein Blick, der in seiner Intensität den Wunsch weckt, sie möge herüberschauen und ihre Gedanken preisgeben.
Leicht in den Korbstuhl gelehnt, scheint sie sich uns zuzuwenden und wahrt doch die Distanz. Ihre eleganten, vor der Brust übereinandergelegten Hände machen es deutlich.
Sie will sich nicht mitteilen – zumindest nicht uns. Als Koloman Moser das Porträt der unbekannten Dame im Korbstuhl 1910 anfertigte, waren die goldenen Tage der Wiener Werkstätte, die er einst mitbegründete, längst verblasst. Der 1868 in Wien geborene Moser zeigte früh sein universelles kreatives Talent, das in der Gründung der Secession seine volle Entfaltung fand. Beflügelt vom dortigen Konzept des Gesamtkunstwerkes, vereinte er Malerei, Grafik, Kunstgewerbe sowie Mode und Bühnenbild zu einer gänzlich neuen Formsprache, die durch die verstaubte Wiener Kunstszene fegte und den Stil der Wiener Secession maßgeblich prägte.
Der Rückzug aus der Wiener Werkstätte erfolgte 1907, nachdem es bereits 1905 zur Spaltung der Secession gekommen war. Ab da kehrte Moser zurück zur Malerei, der er sich hauptsächlich in der ländlichen Zurückgezogenheit der Villa Mautner von Markhof am Semmering widmete.
Das Bildnis der unbekannten Dame reiht sich ein in ein neues Œuvre, das neben Landschaften und Stillleben auch eine intensive Auseinandersetzung mit der Wirkung von Farben auf den Betrachter umfasst.
Dies zeigt sich auch in diesem Frauenporträt, das dominiert wird von einem leuchtenden, geradezu kühnen Gelb. Den besonderen Reiz übt dabei das Zusammenspiel der Farbe – die laut Goethes Farbenlehre eine heitere, helle Natur mit sich führt - mit der ernsten Nachdenklichkeit der Dargestellten aus.
MN

* Suggestives Frauenbildnis des Wiener Universalkünstlers in strahlender Farbgebung
* Koloman Moser wurde in den letzten Jahren durch große Museumsausstellungen geehrt

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