Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

17R

Jakob Philipp Hackert

Prenzlau 1737 – 1807 San Piero di Careggio

„Blick auf die Kirchen S. Agnese fuori le mura und S. Costanza in Rom“. Wohl 1783

Öl auf Leinwand. Doubliert. 64 × 88 cm. (25 ¼ × 34 ⅝ in.) Werkverzeichnis: Nicht bei Nordhoff/Reimer. Mit einem Gutachten von Dr. Claudia Nordhoff, Rom, vom 12. August 2013.  [3548] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, England (2001) / Privatsammlung, Deutschland / Privatsammlung, Schweiz (bis 2013)

EUR 50.000 – 70.000
USD 53,800 – 75,300

Verkauft für:
56.250 EUR (inkl. Aufgeld)

„Blick auf die Kirchen S. Agnese fuori le mura und S. Costanza in Rom“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungLandschaft nach 2000. Osnabrück, Kunsthalle, 2013/14 / Das Unendliche im Endlichen. Romantik und Gegenwart. Malerei, Zeichnungen, Fotografie und Installationen. Jena, Städtische Museen, 2015

Literatur und AbbildungClaudia Nordhoff (Hg.): Jakob Philipp Hackert. Briefe (1761–1806). Göttingen, Hainholz Verlag, 2012, S. 619

Seit 1768 in Rom ansässig, avancierte Jakob Philipp Hackert schnell zum erfolgreichsten Landschaftsmaler der Stadt. Seine Ansichten der römischen Umgebung und des südlichen Italien, auf langen Wanderungen erkundet, zeichnen sich durch großen Realitätsbezug aus. Auch unser Bild ist ein solches Landschaftsporträt: Wir sehen im linken Bildmittelgrund die Basilika Sant’Agnese fuori le mura aus dem 7. Jahrhundert, an der Via Nomentana weitab des bewohnten Stadtgebiets im Nordosten Roms gelegen (heute der dicht besiedelte Stadtteil Trieste). Vor der Kirche erkennt man das Gebäude des dazugehörigen Konvents. Etwas weiter rechts erhebt sich als überwucherte Ruine die Vorgängerkirche aus dem 4. Jahrhundert. Bei dem mehrstöckigen Rundbau daneben handelt es sich um das Mausoleum der S. Costanza, ebenfalls aus dem frühen 4. Jahrhundert.
Das Bild ist weder signiert, noch trägt es eine Ortsbezeichnung. Dieser zunächst frappierende Umstand hängt mit seiner Funktion zusammen, die wiederum eine relativ genaue Datierung erlaubt. Um 1780 hatte Hackert damit begonnen, seine größeren Auftragsgemälde mit kleineren, perfekt ausgeführten Ölbildern vorzubereiten, die die Komposition in allen Details vorwegnehmen: Diese Praxis lässt sich in mehreren Fällen nachweisen, doch scheint Hackert nach seiner Berufung als Hofmaler nach Neapel 1786 damit aufgehört zu haben. Auch von unserem Bild existiert eine größere Version, die signiert, 1783 datiert und ausführlich bezeichnet ist: „Vue de St Agnese prise au coté de ponte Salaro à Roma. Ph. Hackert f. 1783“ (Privatbesitz). Hier wird der Betrachter über den Namen der Basilika wie auch über den Standort des Malers bei der römisch-antiken Brücke Ponte Salario informiert. Diese überspannt den Aniene kurz vor seiner Mündung in den Tiber, und tatsächlich muss es sich bei dem rechts im Vordergrund zu sehenden Gewässer um den Aniene handeln: Der Blick ist also in südöstliche Richtung genommen, und die Berge am Horizont sind mit den Albaner Bergen zu identifizieren.
Um 1780 hatte Hackert den Höhepunkt seiner römischen Karriere erreicht; wie sein Biograf Goethe schreibt, hatte er so viele Vorbestellungen, dass die Kunden oft jahrelang auf ihre Werke warten mussten. Hackert beschloss offenbar, auch die kleineren, vorbereitenden Bilder zu verkaufen – so wahrscheinlich auch unser Gemälde, das wohl ebenfalls auf 1783 datiert werden kann.
Das Bild zeigt Hackerts große Meisterschaft: Der hohe, von weißen Schönwetterwolken bezogene Himmel ist in das goldene Licht der frühen Morgenstunden getaucht, anmutige Schirmpinien erheben sich hier und da, ein Hirte plaudert unter einer Gruppe schlanker Eichen mit einer Landfrau. Hackerts reisender Kunde, zurück in seiner Heimat, hatte hier ein Andenken an das Licht Italiens und die Schönheit der südlichen Natur erhalten – und gleichzeitig eine äußerst exakte Ansicht einer konkreten Gegend, deren Details sämtlich der Realität verpflichtet sind.
Claudia Nordhoff

* Jakob Philipp Hackert auf dem Höhepunkt seiner römischen Karriere
* Goethe und Hackert bereiteten den Weg: Generationen reisten auf ihren Spuren durch Italien
* Lyrisch-poetische Atmosphäre der Landschaftsdarstellung

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