Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

8N

Ernst Barlach

Wedel 1870 – 1938 Rostock

„Der singende Mann“. 1928

Bronze mit goldbrauner Patina. 49 × 52 × 39 cm. (19 ¼ × 20 ½ × 15 ⅜ in.) An der Fußstütze unterhalb des rechten Fußes signiert: E. Barlach. Dort auch der Gießerstempel: H.NOACK BERLIN. Werkverzeichnis: Laur 432. Einer von 38 posthumen Bronzegüssen (Gesamtauflage: 54 Exemplare und 3 Zinkgüsse).  [3455]

ProvenienzPrivatsammlung, Schweiz

EUR 70.000 – 100.000
USD 82,400 – 118,000

„Der singende Mann“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Weitere Werke von Ernst Barlach in der Auktion „Moderne Kunst" am 4.12.2020, Lose 356–362. Die für Ernst Barlachs bildhauerisches Schaffen entscheidende Wandlung vollzog sich nach der Russlandreise des Künstlers 1906. Die einfachen, ja primitiven Lebensbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung, ihre symbiotische Existenz im Einklang mit der Natur ließen ihn zu sparsamer Gestaltung finden. Seine Figuren sind nun von gesammelter Körperhaltung und geschlossenen Konturen bestimmt. Wenige Einzelheiten, ein gereckter Kopf, eine ausgestreckte Hand oder eine Neigung der Achse tragen den Ausdruck, auf beschreibende oder gar ausschmückende Details verzichtet Barlach.
Den bewegten, expressiveren Skulpturen nach 1914 folgen im Œuvre wieder in sich verharrende, stille Arbeiten, deren eindrucksvollste wohl das Güstrower Ehrenmal, ein schwebender Engel mit den Zügen der Käthe Kollwitz, ist. Nicht weniger bekannt ist der „Singende Mann“, dessen ungewöhnliche Pose Barlach in mehreren Zeichnungen vorbereitet hat. Mit geschlossenen Augen trägt der Sitzende sein Lied vor, das linke Bein ruht angewinkelt auf dem Boden, während das rechte vor dem leicht zurückgebeugten Oberkörper mit beiden Armen umfasst wird. Kleidung und Haartracht des Mannes sind zeitlos, ja mönchisch karg, seine Züge, wenngleich von den zwei Jahrzehnte zurückliegenden Skizzen beeinflusst, ebenso idealtypisch.
Oft ist der Sänger als Sinnbild der Kontemplation gesehen worden, der Welt abhandengekommen und nur noch seinem Lied und der Konzentration darauf verpflichtet. Bertolt Brecht hat ihn anders verstanden. „Der singende Mann singt kühn, in freier Haltung, deutlich arbeitend an seinem Gesang. Er singt allein, hat aber anscheinend Zuhörer“ (zit. nach: Handbuch Museum Ludwig, Köln, 1979, S. 74). EO

Zum Begleittext von Rainer Stamm: Monumentale Statuarik und sinnbildlicher Ausdruck – Ernst Barlachs berührende Menschenbilder

* Eine der bedeutendsten Skulpturen Ernst Barlachs
* Zeitloses Sinnbild der Kontemplation
* Meisterhaft in der Vereinfachung der Form

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