Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

50

Albert Carel Willink

1900 – Amsterdam – 1983

„Twee Giraffen“. 1956

Öl auf Leinwand. 70 × 93 cm. (27 ½ × 36 ⅝ in.) Unten rechts signiert und datiert: Willink ´56. Werkverzeichnis: Jaffé 260. Die Leinwand rechts ergänzt.  [3053] Rahmen: Italien, um 1720/30 

ProvenienzG. B. Huisman, Monaco / Loek Brons, Amsterdam / Privatsammlung, Deutschland

EUR 70.000 – 100.000
USD 82,400 – 118,000

Verkauft für:
75.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Twee Giraffen“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

Los empfehlen

Zustandsbericht anfordern

AusstellungAmsterdam, Stedelijk Museum, 1956 / Albert Carel Willink. Werken. Nijmegen, Stichting Nijmeegs Museum voor Schone Kunsten, 1958 / Carel Willink. Amsterdam, Galerie Viruly, 1967 / L’Arte moderna. Brüssel, Galerie d’Art, 1967 / Carel Willink. Schilderijententoonstelling. Amsterdam, Galerie Siau, 1973 (lt. rücks. Etikett)

Literatur und AbbildungKunstpostkarte. Amsterdam, Art Unlimited, o.J

Der gebürtige Amsterdamer Carel Willink nimmt in der europäischen Kunst des 20. Jahrhunderts aus verschiedenen Gründen eine Sonderstellung ein. Einer davon ist dem Umstand geschuldet, dass seine malerische Entwicklung alles andere als geradlinig verlief. Bereits in jugendlichem Alter faszinierten ihn so unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten wie Diego Rivera, Wassily Kandinsky und Marc Chagall. Ein begonnenes Architekturstudium brach er bald wieder ab und zog nach Berlin, wo er zwar bei Hans Baluschek lernte, doch eigentlich im Bann der Novembergruppe und des Konstruktivismus stand. 1924 kehrte er nach Amsterdam zurück und reiste von dort nach Paris, um die Werke Pablo Picassos und der Surrealisten zu studieren. Von hier war es nur noch ein kleiner Schritt, bis er zu seinem ganz eigenen, der Pittura metafisica und dem Magischen Realismus verpflichteten Stil fand.
Das Gemälde „Zwei Giraffen“ aus dem Jahr 1956 ist ein hervorragendes Beispiel für Willinks reife Phase, obgleich die Stimmung, die es ausstrahlt, nicht so düster ist, wie seine meisten anderen Arbeiten aus der Zeit. Der Zweite Weltkrieg und der Kalte Krieg, der darauf folgte, hatten die pessimistische Weltsicht des Künstlers stark geprägt. Vor allem die damals allgegenwärtige Bedrohung durch Nuklearwaffen inspirierte Willink zu apokalyptischen Visionen von Ruinenlandschaften, Zerstörungen und dem Ende der alten europäischen Städte. In dem Zusammenhang wirken die „Zwei Giraffen“ wie ein ungewöhnlich heiteres Bild. Zwar herrscht auch in ihm die für Willink charakteristische, „unrealistische“ Überbelichtung, deren grelle Kontraste man sich nicht durch eine natürliche Beleuchtung erklären kann. Auch fügt die ins Unendliche fortgesetzte Symbolarchitektur der Komposition einen grotesken, leicht beängstigenden Aspekt hinzu. Doch die endzeitliche Atmosphäre im Bild wird abgeschwächt durch die vermenschlichte Geste der Sympathie und Zuwendung, die der Künstler den beiden titelgebenden, die Darstellung bestimmenden Giraffen gegeben hat. Zudem behandelte der Maler die Oberflächen im Vordergrund so, dass sie vor den Augen des Betrachters ein Eigenleben zu führen beginnen. In ihrer Gebrochenheit und Dynamik erinnert die Grundfläche, auf der die Tiere stehen, an Details aus abstrakten Kompositionen von Gerhard Richter.
Wie dieses Gemälde zu interpretieren ist, muss offen bleiben. Doch selbst wenn dies zunächst absurd erscheint: Womöglich handelt es sich um ein Selbstbildnis und eine verklausulierte Liebeserklärung Willinks an seine zweite Frau Wilma Jeuken, mit der er 1956 bereits mehr als zwanzig Jahre in inniger gegenseitiger Zuneigung verheiratet war. Willink hat etliche Bilder mit jeweils zwei exotischen Tieren gemalt – es wäre eine Möglichkeit, sich als Außenseiter seiner Zeit darzustellen, als der Willink sich und seine Frau damals empfunden haben muss. UC

* Ein Bild im Stil der Pittura metafisica und des Magischen Realismus
* Werke von Willink befinden unter anderem im Rijksmuseum und im Stedelijk Museum, Amsterdam

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.