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Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Rudolf Jahns

Wolfenbüttel 1896 – 1983 Holzminden

„Komposition R 3 a“. 1924

Tempera auf Pappe auf Hartfaser. 25 × 19,8 cm. (9 ⅞ × 7 ¾ in.) Unten rechts mit Bleistift signiert und datiert: R. Jahns 24. Rückseitig mit schwarzem Stift (nachträglich) signiert, datiert und betitelt: Rudolf Jahns 1924 Komposition [mit Bleistift ergänzt:] (R 3) a. Werkverzeichnis: Christ 148.  [3072] Im Künstlerrahmen 

ProvenienzPrivatsammlung, Rheinland (in den 1980er-Jahren von der Galerie Stolz, Köln, erworben, seitdem in Familienbesitz)

EUR 20.000 – 30.000
USD 23,500 – 35,300

Verkauft für:
31.250 EUR (inkl. Aufgeld)

„Komposition R 3 a“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Ausstellungdie abstrakten hannover. Köln, Galerie Bargera, 1975, Kat.-Nr. 29 / Rudolf Jahns. Gemälde und Zeichnungen 1919–1928. Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, 1976, Kat.-Nr. 11 / 65. Herbstausstellung: Hommage à Schwitters. Hannover, Kunstverein Hannover, 1977, S. 32 / Rudolf Jahns. 1919–1928. Wiesbaden, Galerie Karin Fesel, 1978

Literatur und AbbildungBernhard Holeczek und Carl Heinz Roselieb: Werkverzeichnis Rudolf Jahns 1919–1933. Gemälde, Aquarelle, Pastelle, Collagen, Zeichnungen und Druckgraphik. In: Ausstellungskatalog: Rudolf Jahns. Retrospektive 1919–1980. Hannover, Kunstmuseum; Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, und Bottrop, Quadrat Bottrop Moderne Galerie, 1981/82, Kat.- Nr. 148, m. Abb

Rudolf Jahns ist der Poet unter den abstrakten Malern, der auf bestimmte Dinge entschieden weniger Wert legt, als die Apologeten der „reinen Lehre“ propagieren. Zum Beispiel ist er kein Freund der Verwendung von Grundfarben, die ihm von manchen wohl zu propagandistisch eindeutig ausgelegt werden. Seine Farbpalette bewegt sich oft in gemischten, gedeckten warmen Tönen, die in ihrer Erdhaftigkeit ein tiefes Naturverständnis anklingen lassen. Auch die Verwendung des rechten Winkels findet Jahns zwar nützlich, aber keineswegs in einer so vorherrschenden Art, wie sie Piet Mondrian oder Theo van Doesburg demonstrieren.
Jahns liebt die Rundung, die bei aller Abstraktion immer die Assoziation zu Menschlich-Leiblichem zulässt. In einem Brief an Walter Wilhelm vom 3. November 1921 schreibt er: „Mich reizt jetzt das Zusammentreffen der scharfen Linien (Geraden) mit den weichen Rundungen und ich werde jedes Thema so behandeln.“
Dies gibt der „Komposition R 3 a“ eine Verspieltheit, die sich nicht gegen die Strenge der Abstraktion richtet, ihr aber gewissermaßen den menschlichen Faktor des Organischen einschreibt. Das ist keine Lässigkeit im Umgang mit konsequent abstraktionsgebundenen Prinzipien, sondern die bewusste Abmilderung eines bildnerischen Dogmas. In diesem Gemälde waltet ein architektonischer Geist, der Ernst macht mit dem Begriff, „ein Bild zu bauen“ – es gibt lastende Formen wie die schwarze mit der einzigen Diagonale und oben links schwebende Formen wie die grauen Rechtecke, die nicht nur auf der gerundeten linken Form sitzen, sondern gleichzeitig davor zu sein und etwas zu verdecken scheinen. Diese Ambivalenz macht die Lebendigkeit des Bildes aus, das ein wunderbares Beispiel ist für den souveränen Umgang des Malers mit einer geometrischen Abstraktion, die den Menschen im Blick behält.
Rudolf Jahns ist ein Künstler gewesen, der sehr intensiv über seine Malerei und deren Grundlagen nachgedacht und gesprochen hat. Drei Jahre später sollte er bei Gründung der Gruppe der „abstrakten hannover“ in Carl Buchheister und Kurt Schwitters gleichgesinnte Freunde einer undogmatischen ungegenständlichen Kunst finden. MS

* Typisch für Rudolf Jahns’ Verbindung von geometri- scher und organischer Abstraktion
* Rudolf Jahns war gemeinsam mit Kurt Schwitters und Carl Buchheister Gründungsmitglied der „abstrakten hannover“

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