Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

35

Otto Mueller

Liebau/Schlesien 1874 – 1930 Breslau

„Im Gras sitzendes Mädchen“. Um 1925

Aquarell und Farbkreide auf Velin. 68,5 × 52,5 cm. (27 × 20 ⅝ in.) Rückseitig mit dem Nachlassstempel (Lugt 1829d) in Schwarz, von Erich Heckel mit Bleistift bestätigt. Werkverzeichnis: Pirsig/von Lüttichau 488.  [3090] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Süddeutschland

EUR 120.000 – 150.000
USD 141,000 – 176,000

Verkauft für:
150.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Im Gras sitzendes Mädchen“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungKlassiker der jungen Kunst. Berlin, Galerie Meta Nierendorf, 1960, Bildliste Nr. 64 (Faltblatt)

Literatur und AbbildungLothar-Günther Buchheim: Otto Mueller. Leben und Werk. Feldafing, Buchheim Verlag, 1963, Abb. S. 253

Otto Mueller, der das Fundament seiner malerischen Ausbildung an der Dresdner Kunstakademie erhalten hatte, lebte seit 1908 in Berlin. Hier lernte er bald Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel kennen und wurde Mitglied der Brücke. Im Austausch mit den Künstlern der 1905 in Dresden gegründeten Vereinigung, die sich dem Credo des Unmittelbaren und Unverfälschten verschrieben hatte, gelangte er zu größter Schaffenskraft. Gemeinsam mit Heckel und Kirchner, denen er nach Auflösung der Brücke freundschaftlich verbunden blieb, arbeitete Mueller auch an der Ostsee und den Moritzburger Teichen bei Dresden. In freier Natur fand er zum zentralen Thema seines Schaffens: In ungezählten Variationen widmete er sich dem Akt in der Landschaft, so auch beim vorliegenden Aquarell.
Hier sitzt eine einzelne Frau im Gras, üppige Vegetation umgibt sie. Mit ihren Armen umschlingt sie die angewinkelten Beine. Ihre Haare hat sie zum modischen Bubikopf frisiert, sie ist zweifellos eine moderne Frau der Zwanzigerjahre. Doch in dieser arkadischen Landschaft wirkt sie entrückt und den Zeitläuften enthoben.
Otto Mueller strebte immer nach größtmöglicher Einfachheit in der Darstellung: Deshalb hat er den Körper innerhalb der eleganten Umrisslinien ganz flächig organisiert.
Durch die Vielfalt der Pflanzen entsteht eine dichte, bildmäßige Komposition. Da wachsen neben verschiedenen Sträuchern und einem das Modell beschirmenden Baum fächerartige Farnblätter. Die Dolden einer Blume bilden einen reizvollen Kontrast zum Körper der Frau. Mueller wählt bei dieser Arbeit Aquarellfarben und Kreiden; sie lassen ein stärkeres Kolorit zu als die sonst von ihm verwendeten leimgebundenen Pigmente. Ein intensives Grün steht neben Braun und Gelb. Das Blau des Bachlaufes setzt der Maler auch zur Akzentuierung der Gewächse im Vordergrund ein. In der Reduktion aller Formen wirkt diese Zeichnung innig und gleichnishaft. Die so oft von Künstlern beschworene Einheit von Mensch und Natur: Bei Otto Mueller wird sie Wirklichkeit. OH

* Der Akt in freier Natur ist das zentrale Thema im Schaffen Otto Muellers
* Sinnbild für das irdische Paradies
* Frisches, kräftiges Kolorit

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