Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Eberhard Havekost

Dresden 1967 – 2019 Berlin

„Beziehung 2“. 2002

Öl auf Leinwand. 130 × 180 cm. (51 ⅛ × 70 ⅞ in.) Rückseitig signiert, datiert, betitelt und bezeichnet: Havekost B02 Beziehung 2. Auf dem Keilrahmen ein Stempel der Galerie Gebr. Lehmann, Dresden.  [3548]

ProvenienzEhemals Privatsammlung, Norddeutschland

EUR 70.000 – 90.000
USD 82,400 – 105,900

„Beziehung 2“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Literatur und AbbildungEberhard Havekost: Harmonie, Bilder 1998–2005. Ostfildern-Ruit, Hatje Cantz, 2005, Abb. S. 19

Eberhard Havekost stößt uns auf den Blickwinkel. Je nachdem, wie wir eine Sache betrachten, stellt sie sich uns anders dar. Im Gemälde „Beziehung 2“ veranschaulichen das die zwei, in der Art einer Collage zugewandten Zelte. Es handelt sich aber nur um ein und dasselbe Zelt, das aus zwei verschiedenen Perspektiven abgebildet ist. In der Kombination beider Ansichten werden Dualitäten verhandelt, die sich in den Hintergründen als Hell-Dunkel und im Gegenstand als Zuwendung-Abwendung artikulieren. Das ist ein subtiler Hinweis auf die Gegensätzlichkeiten, die den Dingen (und den Menschen selbst) innewohnen. Diese Art von „Denkmalerei“ hat einen berühmten Paten, der sich in seinen Bildern ein Leben lang mit den Vorstellungen, die wir uns von der Welt machen, beschäftigt und mit den Erwartungen der Betrachter sein Spiel getrieben hat: Im Jahr 1928 malte René Magritte zwei Fassungen der „Liebenden“. Wir sehen ein Paar, dessen Köpfe mit Tüchern verhüllt sind. In einem dieser Bilder wenden sich die zwei einander zu. Auch diese Beziehung findet in unseren Köpfen statt. Denn sehen tun wir etwas Verhülltes, wir wissen gar nicht, wer oder was oder ob überhaupt etwas daruntersteckt.
Dasselbe Phänomen steckt in Havekosts „Beziehung 2“ – die beiden Gegenstände wenden sich einander zu wie zwei Astronauten in ihren Schutzanzügen, die sich angesichts einer unwirtlichen Umgebung verständigen müssen. Als Betrachter einmal auf die vom Künstler ausgelegte Spur gesetzt, machen wir uns selbst unser Bild, das mit dem Gesehenen nur durch hauchdünne Fäden verbunden ist. Was Oberflächen an inneren Bildern evozieren, interessiert den Maler. Was werden die Ärchäologen kommender Jahrtausende sich für ein Bild von uns machen angesichts der Behausungen, die Havekost malerisch durchdekliniert? MS

* Havekosts Thema ist der Prozess des Sehens und der Wahrnehmung
* Hauptwerk aus der Hochphase der international gefeierten „Neuen deutschen Malerei“

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