Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

42

Franz Lenk

Langenbernsdorf 1898 – 1968 Schwäbisch-Hall

„Altes Wehr“. 1930

Öl auf Leinwand auf Holz. 113,6 × 94,7 cm. (44 ¾ × 37 ¼ in.) Unten links datiert und signiert: 1930 F. Lenk. Werkverzeichnis: von Abercron D-30-4.  [3548] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Süddeutschland (bis 2010) / Privatsammlung, Europa

EUR 80.000 – 120.000
USD 94,100 – 141,000

Verkauft für:
100.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Altes Wehr“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungGroße Berliner Kunstausstellung 1930, Amtlicher Katalog der I. Abteilung. Berlin, Schloß Bellevue, 1930, Kat.-Nr. 251 / Aftermath. Art in the Wake of World War One. London, Tate Britain, 2018, Kat.-Nr. 62, Abb. S. 85

Literatur und AbbildungSusanne Thesing: Franz Lenk. Recklinghausen, Verlag Aurel Bongers, 1986, Abbildung S. 90

Franz Lenks zeichnerische Präzision hat ihre Wurzeln im Unterricht des Künstlers Richard Müller, von seinen Schülern auch „Zuchtmeister der Dresdner Zeichenschule“ genannt. Doch der fantastisch-morbide Einschlag des Lehrers war seine Sache nicht. Mit seiner stillgestellten Bildwelt entwickelte Lenk eine deutsche Pittura metafisica, die atmosphärisch dichte Orte entstehen ließ, in denen es keine Zeit mehr gibt. Auch der Mensch ist in diesen Bildern entbehrlich geworden, und seine Bauten wirken wie schon immer da gewesene Schöpfungen ohne Urheber.
Das Wehr in unserem Bild macht den Eindruck, als sei es schon lange nicht mehr benutzt worden. Kein Kräuseln bewegt die Wasseroberfläche, denn sie ist gefroren – nicht deshalb, weil der kahle Baum einen strengen Winter nahe- legte, sondern weil es in einer Welt ohne Zeit auch keine Bewegung gibt. Gerade das aber ermöglicht es uns, mit viel Muße den vielfältigen Farben der Holzlatten nachgehen und ihre Spiegelungen auf dem Wasser beobachten zu können. Das Haus im Hintergrund ist, wie auch der Himmel, in einer nuancenreichen Malerei gestaltet, die keine Ablenkung kennt. Die Kunst Franz Lenks ist die der Versenkung. Sein Magischer Realismus beruht auf einer kontemplativen Beobachtungsgabe, die an die Frühzeit der abendländischen Landschaftsdarstellung anknüpft. Ein Werk wie Albrecht Dürers „Drahtziehmühle“ (Kupferstichkabinett Berlin) hat hier Pate gestanden. MS

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