Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

24

Johannes Molzahn

Duisburg 1892 – 1965 München

„Pulsender Stern“. 1919

Öl auf Leinwand. 72,6 × 58,2 cm. (28 ⅝ × 22 ⅞ in.) Oben links signiert und datiert: Molzahn 19. Rückseitig signiert, betitelt und datiert: Molzahn Pulsender Stern 1919. Dort auch eine Figurenkomposition. Um 1916. Werkverzeichnis: Gries 51 A.  [3548] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Norddeutschland / Privatsammlung, Europa

EUR 60.000 – 80.000
USD 70,600 – 94,100

Verkauft für:
75.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Pulsender Stern“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Ausstellung80. Ausstellung. Berlin, Galerie Der Sturm, 1919, Kat.-Nr. 58 / Johannes Molzahn. Das malerische Werk. Duisburg, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, 1988, Kat.-Nr. 8, Abb. S. 45 / Expressionismus in Thüringen. Erfurt, Galerie am Fischmarkt und Angermuseum, 1999, Abb. S. 140

Literatur und AbbildungErich Wiese: Johannes Molzahn. In: Der Cicerone, Jg. 13, 1921, S. 657 / Auktionskatalog: Kunsthaus Lempertz, Köln, 1. Dezember 1971, Kat.-Nr. 839 / Ausstellungskatalog: Das frühe Bauhaus und Johannes Itten. Weimar, Kunstsammlungen; Berlin, Bauhaus Archiv – Museum für Gestaltung, und Bern, Kunstmuseum; 1994/95, S. 419, Abb. S. 420 (nicht ausgestellt)

Der in Duisburg geborene Johannes Molzahn wuchs in Weimar auf, wo er nicht nur bereits 1914, also mit knapp 22 Jahren, seine erste Ausstellung hatte, sondern auch eine Ausbildung zum Fotografen absolvierte. Ermutigt durch Freunde, sandte er drei Jahre später einige seiner Fotografien an Herwarth Walden. Die Antwort kam postwendend: Molzahn solle seine Bilder umgehend an Waldens Galerie „Der Sturm“ schicken.
Dort lernte der Künstler die Arbeiten der italienischen Futuristen kennen, die ihn stark beeindruckten. 1919, Molzahn war inzwischen wieder nach Weimar zurückgekehrt, entstand in einer Zeit der Hoffnung und des Aufbruchs nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ein Schlüsselwerk: der „Pulsende Stern“ – gleichsam der gemalte Kommentar zu seinem „Manifest des absoluten Expressionismus“, das der Maler in Waldens Zeitschrift „Der Sturm“ vom September 1919 veröffentlicht hatte.
Darin suchte der Künstler in einer Diktion, aus der noch die Schrecken des Krieges sprechen, nach einer ewigen Wahrheit. Molzahn fand diese Wahrheit im Kosmischen: „Sonnen und Monde sind Unsere Bilder [sic] – die Wir Euch entgegenspannen. – Gestirnte Banner der Ewigkeit – Euch entgegen blühend. [...] Die pulsenden Bahnen der Sterne – ihre flammenden Energien – die sich in fortwährenden Katastrophen verzehren und wieder gebären, – Die bebend rotierende Erde – ihre Geschöpfe.“
Und so ist auch das Gemälde „Pulsender Stern“ ein vor Energie strotzendes Bild. Molzahn übersetzt hier neben den Ideen des Futurismus die Überlegungen des Blauen Reiters zur gesteigerten Wirkung von Farben und Formen in Malerei. Kleine, rote Kreise, mittig platziert, sind Kraftfelder. Elliptische Flächen geben ihren Lauf, Orange und Gelb ihre Wärme an. Kühles, starres Grau und Blau – Symbole der Vergangenheit – können dem Pulsen der Sterne nicht standhalten. Alles, so zeigt es uns Molzahn in diesem Meisterwerk, wird im glühenden Wirbel einer neuen Epoche aufgehen. OH

* Kosmische Fantasie als Sinnbild des Aufbruchs in eine neue Zeit
* Dramatisch-schöner Farbklang, der mit den Kontrasten von Kälte und Wärme spielt
* Das Gemälde war in Herwarth Waldens legendärer „Sturm“-Galerie ausgestellt

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