Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Ernst Wilhelm Nay

Berlin 1902 – 1968 Köln

„In Blau und Rosa“. 1953

Öl auf Leinwand. 60 × 70 cm. (23 ⅝ × 27 ½ in.) Unten links signiert und datiert: Nay 53. Auf dem Keilrahmen oben in Schwarz signiert und betitelt: NAY „IN BLAU UND ROSA“. Werkverzeichnis: Scheibler 661.  [3557] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Der Spiegel, Köln (1954/55) / Dr. Otto Grossmann, Kleinkems / Privatsammlung, Baden-Württemberg

EUR 160.000 – 200.000
USD 188,000 – 235,000

Verkauft für:
200.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„In Blau und Rosa“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungErnst Wilhelm Nay. Bilder, Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen von 1927–1954. Köln, Galerie Der Spiegel, 1954, (Faltblatt-) Nr. 17 / Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts. Freiburg i. Br., Augustinermuseum, 1962, Kat.-Nr. 96

Als „In Blau und Rosa“ 1953 entstand, waren erst wenige Jahre vergangen, seitdem sich Ernst Wilhelm Nay von der menschlichen Figur gelöst hatte und seine Bildinhalte rein abstrakt geworden waren. Der Maler begab sich auf einen gefahrvollen Weg, standen doch bislang der Mensch und seine Archetypen im Mittelpunkt vieler Bilder. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts suchten Künstler verstärkt neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften darzustellen. Es ging um Fragen der Bewegung, von Dynamik und Rhythmus. Die Statik und Trägheit des Bildträgers zu überwinden, beschäftigt Künstler bis heute. In unserem Gemälde können wir Nay dabei beobachten, wie er sich diesem Thema nähert und welche verblüffenden Lösungen er findet.
Im Vergleich mit anderen Werken Nays aus dieser Zeit fällt zunächst die lockere Fügung der Elemente auf. Bislang setzte der Künstler eine Vielzahl von Motiven dicht gedrängt nebeneinander. Hier nun scheint der Malgrund durch, die in ihrer Anzahl reduzierten Motive wirken schwebend leicht. Es dominieren ovale und runde Formen, die der Maler flächig anordnet, zumeist vertikale Striche entwickeln einen Impuls nach oben. Kleine Farbtupfer bewegen sich auf einer zweiten Ebene über das Bild. Die heitere Improvisation wirkt bei aller Freiheit dennoch schlüssig in der Komposition. Der Maler führt uns den Prozess der Bildorganisation deutlich vor Augen: An zwei Stellen lässt er das Blau sich flächig ausbreiten – doch entwickeln die Tupfen und Kreise in der gleichen Farbe nicht viel mehr Wirkung? Die Elementarform Kreis wird zum Farbträger, und mit ihr definiert der Maler den Raum. Nay entdeckt gerade die Möglichkeiten des Kreises in Form und Farbe. Dies führt ihn schon ein Jahr später zu seinen berühmten Scheibenbildern. OH

* Wichtiges Gemälde des mehrfachen Documenta–Teilnehmers kurz vor der Entwicklung seiner „Scheibenbilder“
* Kompositorisch heitere, leichte Improvisation
* Vergleichbare Werke befinden sich in zahlreichen bedeutenden Museen zur Kunst des 20. Jahrhunderts

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