Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

47

Max Ernst

Brühl 1891 – 1976 Paris

„Ici l'action se simplifie“. 1923

Öl und Gips auf Leinwand. 39 × 18 cm. (15 ⅜ × 7 ⅛ in.) Unten rechts signiert: max ernst. Werkverzeichnis: Spies/Metken 642. Retuschen.  [3584]

ProvenienzHaus Éluard, Eaubonne / Marcel Mabille, Rhode-St. Genèse, Belgien / Privatsammlung, Berlin (1989 in der Galerie Brusberg, Berlin, erworben)

EUR 200.000 – 300.000
USD 235,000 – 353,000

„Ici l'action se simplifie“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Es handelt sich um ein Wandbild aus dem Haus von Paul Eluard in Eaubonne, das später auf Leinwand übertragen wurde.

AusstellungMax Ernst. Peintures pour Eaubonne, Paris, Galerie André François Petit, 1969, Abb. S. 46 / Max Ernst – sculptures, maisons, paysages. Paris, Centre Georges Pompidou Musée National d’Art Moderne – Max Ernst – Skulpturen, Häuser, Landschaften. Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 1998, Kat.-Nr. 16, Abb. S. 234 / La Révolution surréaliste / Surrealismus 1919–1944, Dalí, Max Ernst, Magritte, Miró, Picasso ...“, Paris, Centre Georges Pompidou, und Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-West-falen, 2002

Literatur und AbbildungPaul Éluard: Anthologie des écrits sur l’Art. Paris, 1972, S. 255, Abb. 174 / Gaston Diehl: Max Ernst. Paris 1973, Abb. S. 70

Sie ist ein bisschen dünn geraten, aber ansonsten annähernd lebensgroß: die Weinflasche, die Max Ernst 1923 als Wandbild für das Haus seines Freundes Paul Éluard in Eaubonne bei Paris in Öl auf Gips malte. Doch dieses Gemälde ist noch viel mehr als das. Durch den Titel, den ihm der Künstler gab, wird es zu einem frühen Beispiel für eine Bild-Text-Kombination, in der beide Elemente untrennbar miteinander verbunden sind und das eine ohne das andere eigentlich keinen Sinn ergibt – eine Kunstform, die im Dadaismus, von dem Ernst und Éluard kamen, nicht unüblich war, die sich aber erst durch die Concept Art der Sechzigerjahre zu einem eigenen, heute immer noch sehr aktuellen Genre entwickelte.
Dieser Titel lautet sinngemäß „Ab hier werden die Dinge einfach“. Was in dem Fall umgekehrt bedeutete, dass „die Dinge“ zuvor nicht einfach waren. Es ist, so sagt uns der Künstler hier, der Wein, der die Sorgen vergessen macht und Harmonie herstellt. Bei Ernst, dem surrealistischen Lyriker Éluard und dessen Ehefrau Gala, damals alle zwischen Ende zwanzig und Anfang dreißig, war dies auch dringend nötig. Das Paar war damals seit sechs Jahren verheiratet – und Ernst schwer in Gala verliebt. Die Ménage à trois verlief erwartbar turbulent, mündete in des Dichters Flucht nach Saigon, wo er Besuch erhielt: natürlich von Ernst und Gala (die 1932 Salvador Dalí heiraten sollte).
Wären der Zufall, das Sich-Treibenlassen und die uner- wartete Wendung nicht grundlegende Gestaltungsprinzipien des Surrealismus, dann wäre dies nicht mehr als gehobener Gossip. So aber verbinden sich in diesem Bild Kunst und Leben auf selten evidente Weise. Interessant ist auch die weitere Geschichte des Werkes: Irgendwann wurde es überstrichen, erst 1969 wiederentdeckt und anschließend noch von Max Ernst selbst restauriert. UC

* Aus der Frühzeit des französischen Surrealismus
* Verbindet Leben und Kunst auf einmalige Art und
Weise
* Aus dem Haus von Paul Éluard, dem bekanntesten
Lyriker des Surrealismus

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