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Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Porzellanmanufaktur Meissen, um 1740/50

Garnitur von fünf Vasen. Ausformung um 1740. Dekoration um 1750

Porzellan, farbige Aufglasurmalerei, staffiert. Große Deckelvase: Höhe 54 cm. Kleine Deckelvasen: Höhe 45,8 cm und 44,5 cm. Kelchvasen: Höhe 42 cm und 41,4 cm. Unterseiten jeweils mit Schwertermarke in Unterglasurblau, Etiketten der Ausstellung Genf 1999 (s.u.), Kelchvasen mit Pressnummer. Ein Deckel im 19. Jahrhundert ersetzt.  [3587]

ProvenienzFritz Clemm, Berlin (bis 1907) / Max Hoffmann, Riehen b. Basel / Nachlass Max Hoffmann, Genf (bis 2005) / Partridge Fine Art, London (2006) / Privatsammlung, Süddeutschland

EUR 200.000 – 300.000
USD 235,000 – 353,000

Garnitur von fünf Vasen

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungAu pays de l’or blanc. Une collection privée de porcelaine de Meissen. Genf, Musée Ariana, 1999 / Meissen: „Birds, Beasts and Chinamen“. London, Partridge Fine Art, 2006, Kat.-Nr. 45, m. Abb

Literatur und AbbildungVersteigerungskatalog Nr. 1496: Sammlung Dr. Fritz Clemm, Berlin. Berlin, Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus, 3.-5.12.1907, Kat.-Nr. 75, Abb. Tf. 11 / Sale 7099: European ceramics including porcelain and faience from the collection of the late Max Hoffmann of Basel. London, Christie´s, 21.11.2005, Kat.-Nr. 44, m. Abb. 140–145, Nr. 81 und 82

Vasensätze wie dieser wurden wegen ihrer Verwendung als Kaminvasen auch als „Aufsätze“ bezeichnet und bestanden meist aus zwei becherförmigen Vasen und drei Deckelvasen, die abwechselnd der Größe nach in auf- und absteigender Linie präsentiert wurden. Ihr Vorbild haben diese im japanischen und chinesischen Exportporzellan. So stellt auch dieser Vasensatz eine Hommage an die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts besonders am sächsischen Hof verbreitete Chinabegeisterung dar, die nicht zuletzt von dem Leiter der Meissener Porzellanmalerei Johann Gregorius Höroldt (1696 –1775) durch einen eigenen Stil gepflegt wurde. Unter Einbeziehung von Versatzstücken aus der ostasiatischen Porzellanmalerei und der Orientierung an Kupferstichen schuf Höroldt eine Fülle von Dekors, dessen Motive er für sich und die Maler seiner Werkstatt in einem Skizzenbuch, dem sogenannten Schulz-Codex – heute im Grassi-Museum für Angewandte Kunst in Leipzig – festhielt. Bis um 1750 hielt Höroldt an der Chinoiserie fest, sodass es zuweilen zu eigenwilligen Kombinationen wie hier mit den moderneren Manierblumen kam.
Besonderes Augenmerk verdient die Darstellung auf einer der kleineren Deckelvasen, in der ein Mandarin vor einer Tuchdraperie auf einem Podest sitzt, während ihn zwei bewaffnete Krieger flankieren. Es ist dies das einzige Bild, das sich auf eine Zeichnung im Schulz-Codex auf Tafel 12 zurückführen lässt.
Außer den die Szenen umgebenden Kartuschenrahmen aus Laub- und Bandelwerk finden sich umlaufende Goldspitzenbordüren unter den Mündungsrändern der drei Deckelvasen, während dazwischen Blüten der sog. Deutschen Blumen eingestreut sind.
Die Vasen entstanden wohl bereits um 1740, worauf die 1739 eingeführten Pressnummern auf den beiden Kelchvasen hindeuten. Der Dekor hingegen dürfte nicht vor 1748 entstanden sein, kann aber keinem bestimmten Maler zugewiesen werden; die Figuren ähneln jenen, die man Johann Christoph Horn zuschreibt, aber signierte Porzellandekore sind von ihm nicht bekannt.
Komplette Vasensätze wie dieses prachtvolle Ensemble sind von großer Seltenheit und befinden sich heute fast ausschließlich in den bedeutendsten öffentlichen Sammlungen der Welt. Dr. Ulrich Pietsch (ehemaliger Direktor der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden)

* Inbegriff höfischer Prachtentfaltung des 18. Jahrhunderts
* Paradebeispiel der Wechselwirkung chinesischen und europäischen Porzellans
* Äußerst seltener, komplett erhaltener Vasensatz

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