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Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Porzellanmanufaktur Meissen

Allegorien der vier Erdteile – nach dem Modell Johann Joachim Kaendlers (1706 – 1775) und Johann Friedrich Eberleins (1696 – 1749). Um 1750

Porzellan, farbige Aufglasurmalerei, staffiert. Höhe: 18,5 cm (Afrika), 20,2 cm (Amerika), 18,6 cm (Asien), 21,2 cm (Europa). (7 ¼ in. (Afrika), 8 in. (Amerika), 7 ⅜ in. (Asien), 8 ⅜ in. (Europa)) Schwertermarke in Unterglasurblau (Asien, Europa) undeutlich gemarkt (Afrika, Amerika).  [3587]

ProvenienzPrivatsammlung, Süddeutschland

EUR 70.000 – 100.000
USD 82,400 – 118,000

Allegorien der vier Erdteile – nach dem Modell Johann Joachim Kaendlers (1706 – 1775) und Johann Friedrich Eberleins (1696 – 1749)

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Literatur und AbbildungUlrich Pietsch: Die Arbeitsberichte des Meissener Porzellanmodelleurs Johann Joachim Kaendler 1706-1775. Leipzig, 2002, S.109 f./ Hermann Jedding: Meissener Porzellan des 18. Jahrhunderts in Hamburger Privatbesitz. Hamburg, 1982, Abb. 238-241

Die weite Welt im Kleinen, in vier zierlichen Porzellanfiguren. Exotik, wilde Tiere, die Vorstellungen über das Leben in fernen Ländern, aber auch
ein hierarchisierender Blick und ein Machtanspruch verbergen sich in dieser Allegorie der vier Kontinente der Porzellanmanufaktur Meissen. So sind jeder Personifikation eines Kontinents Attribute und ein einheimisches Tier zugeordnet. Afrika ruht auf einem Löwen, trägt einen Elefantenskalp auf dem Haupt und hält Kornähren in seiner Hand. Amerika reitet, gehüllt in einen Federmantel, auf einem Krokodil, Asien in türkischer Tracht auf einem Kamel und die bekrönte Europa auf einem Pferd. Die Bildikonografie der vier Kontinente reicht tief in die Antike zurück und bespielt die Neugier auf die Welt, ist aber immer auch Verortung eines selbst in dieser. Der etwas eigenwillige Elefantenskalp erinnert beispielsweise an die Siege Alexanders des Großen in Indien und die Kornähren verweisen auf das fruchtbare Nilschwemmland, die Kornkammer Roms. Der Machtanspruch zeigt sich klar in der gekrönten, geharnischten und berittenen Europa, die aber auch mit den Attributen der Wissenschaften versehen ist.
Aus dieser fantasievollen Ikonografie bediente sich der wohl bekannteste Modelleur Meissens Johann Joachim Kaendler in Mitarbeit mit Johann Friedrich Eberlein, als er diese Gruppe entwarf und ausformte. Der Auftrag für den Entwurf dieser releganten Figuren kam von keiner Geringeren als der russischen Zarin Elisabeth Petrowna (1709–1762), die 1745 unter anderem diese Gruppe in zwei Versionen bestellte. Die Zarin hatte kurz zuvor das umfangreiche Meissener Andreasservice erhalten, welches als diplomatisches Geschenk des sächsischen Hofes an Katharina die Große gedacht gewesen war, und fand großen Gefallen an dem „weißen Gold“.
So spiegelt sich in dieser grazilen Porzellangruppe nicht nur eine Vorstellung der Welt an sich, sondern auch die Einbindung solcher Porzellane in die Diplomatie als Hofgeschenke, was ihren Wert und ihre Wertschätzung unterstreicht. GO

* Seltene, komplett erhaltene Figurengruppe
* Beispiel des beliebten Bildmotivs der vier Kontinente
* Exotismen und Bestien in „weißem Gold"

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