Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

39

Georg Kolbe

Waldheim/Sachsen 1877 – 1947 Berlin

„Sklavin“. 1916

Bronze mit dunkelbrauner Patina. 72 × 20 × 19 cm. (28 ⅜ × 7 ⅞ × 7 ½ in.) Auf der Plinthe rechts neben dem linken Fuß monogrammiert: GK. Rückseitig an der Schmalseite der Plinthe mit dem Gießerstempel: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU. Werkverzeichnis: Berger 29. Einer von mindestens 7 Güssen bis 1923.  [3609]

ProvenienzPrivatsammlung, Niedersachsen

EUR 100.000 – 150.000
USD 118,000 – 176,000

Verkauft für:
300.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Sklavin“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungUnbekannte Meisterwerke aus Braunschweiger Privatbesitz. Braunschweig, Kunstverein, Haus Salve Hospes, 1952, Kat.-Nr. 77 („Tänzerin“) (?)

Georg Kolbe zählt zu den einflussreichsten Vertretern der figürlichen Plastik im 20. Jahrhundert. Die „Sklavin“ schuf er 1916: Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel für Kolbes Entwicklung hin zu einer auf das Wesentliche reduzierten Darstellung des menschlichen Körpers. In Bronze gegossen wurde die Figur noch zu Lebzeiten des Künstlers bei der Bildgießerei Hermann Noack.
Dabei nahm ihr der Künstler jede Schwere: Federnden Schrittes überkreuzt die „Sklavin“ in einer Art tänzerischen Taumels ihre Füße. Sie scheint im Begriff, aus dem Gleichgewicht zu geraten. Als würde sie mit letzter Kraft gegen die Ohnmacht ankämpfen, führt sie ihre rechte Hand zur Stirn – kompositorisch ein Kunstgriff Kolbes, denn so bilden die Arme den Rahmen um das idealschöne Gesicht.
Mit der „Sklavin“ schuf Georg Kolbe nicht nur ein Sinnbild des Menschen in Zeiten des Leides, er stellte sich auch durchaus selbstbewusst in die Tradition der Skulpturen von Antike und Renaissance. Schon die Schöpfer der legendären „Laokoon-Gruppe“ aus den Vatikanischen Museen in Rom schilderten im ersten Jahrhundert vor oder nach Christi Geburt den Menschen, wie er sogar im Angesicht des Todes seine Anmut und Würde bewahrt.
Kolbe hat sich bei seiner „Sklavin“ offenbar speziell an dem linken, gerade in sich zusammensinkenden Knaben der antiken Figurengruppe orientiert. Noch augenscheinlicher ist die Verbindung zu Michelangelos „Sterbendem Sklaven“ (Paris, Louvre), der um 1513 für das Grabmal von Papst Julius II. entstand und wie so viele andere Skulpturen Michelangelos unvollendet blieb. Dass er diese beiden Schlüsselwerke der Kunstgeschichte aus eigener Anschauung kannte, darf als sicher gelten: Georg Kolbe hatte sowohl in Paris als auch in Rom studiert. KH

* Moderne Plastik mit historischen Vorbildern von der antiken „Laokoon-Gruppe“ bis zu Michelangelos „Sterbendem Sklaven“
* Seltener, noch zu Lebzeiten des Künstlers hergestell- ter Guss aus der Bildgießerei Hermann Noack

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