Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

25

François Morellet

1926 – Cholet – 2016

„2 carrés formant un angle de 30° avec le mur et ayant un côté commun avec un angle droit de néon“. 1980

Installation: Zwei Tafeln, je Acryl auf Leinwand, auf Holz, und eine Neonröhre. Tafeln: jeweils 160 × 160 cm. (63 × 63 in.) Die Tafeln jeweils rückseitig mit der gestempelten Archivnummer sowie mit Filzstift in Schwarz bezeichnet: A bzw. B. Tafel A rückseitig mit Filzstift in Schwarz betitelt, signiert und datiert: 2 carrés formant un angle de 30° avec le mur et ayant un côté commun avec un angle droit de néon Morellet 1980. Mit einer Expertise von Danielle Morellet, Cholet, vom 26.01.2017. Das Werk ist im Archiv Morellet unter der Nummer 80027 registriert. Unikat.  [3396]

ProvenienzEhemals Michel Poitevin, Lille (1994 bei der Galerie Sollertis, Toulouse, erworben)

EUR 150.000 – 200.000
USD 176,000 – 235,000

Verkauft für:
162.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„2 carrés formant un angle de 30° avec le mur et ayant un côté commun avec un angle droit de néon“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

Los empfehlen

Zustandsbericht anfordern

AusstellungUne histoire parmi d’autres: collection de Michel Poitevin. Dünkirchen, FRAC Nord-Pas de Calais, 1999–2000, Abb. S. 47 / François Morellet: 50 Werke aus 50 Jahren künstlerischer Arbeit 1945–1995. Oldenburg, Stadtmuseum, 1995, Abb. S. 93

„So habe ich mein Eingreifen (ich hoffe es), meine Kreativität und meine Sensibilität auf ein Minimum reduziert und kann Ihnen folgerichtig ankündigen, dass alles, was Sie, abgesehen von meinen kleinen Systemen, finden […], Ihnen als Betrachter gehört“ (François Morellet, zit. nach: Ansichtssachen 2, Galerie m, Bochum 1992, S. FM2).
Folgen wir doch dem Wunsch des Künstlers! Begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise: Wir sehen zwei quadratische, mit weißer Acrylfarbe gefasste Leinwände. Beide Tableaus, die wie variable Wandstücke vor der Ausstellungswand arrangiert sind, sind mit einer gleichschenkligen, rot leuchtenden, in 90 Grad abgewinkelten Neonröhre verbunden. Das Licht erreicht die Vorderseite der Leinwände in so unterschiedlichen Winkeln, dass die linke Fläche ein weißes Quadrat mit leuchtendem rechtem Bildrand bleibt, während die mit der Oberseite schräg an die Wand gelehnte Leinwand rot und durchaus stimmungsvoll überstrahlt wird. Die Massivität der beiden quadratischen Flächen steht in spürbarem Kontrast zu ihrer Verbindung an einem Punkt: genau dem Punkt, an dem die Neonröhre um 90 Grad abknickt. Die unterschiedlichen Farbtemperaturen auf den weißen Flächen und ihre labil empfundene Verbindung machen das außergewöhnliche Spannungsverhältnis der 1980 von Morellet geschaffenen Installation aus.
François Morellet hatte bereits 1963 erste elektrifizierte Werke realisiert, die zunächst rhythmisch programmiert waren und damit Bewegung und Zeit thematisierten. In den 1970er-Jahren wandte er sich seinen Bildern zu, um erst wieder in den 1980er-Jahren zu seiner, wie er es nennt, „Neon-Affinität“ zurückzukehren, allerdings mit einem deutlichen Fokus auf Räumlichkeit. In seinem Text „Esthétique électrique et pratique éclectique“, der im Juni 1991 im Bulletin d’histoire de l’électricité erschienen ist, beschreibt Morellet, dass die Neonröhren mit einer beleuchteten, immateriellen Linie oder einem Winkel die ideale Richtung oder Ebene visualisieren könnten, die das Gemälde verloren habe. Unsere Arbeit ist eines der ersten Zeugnisse dieser Werkphase – mit einem ausgesprochen hohen Potenzial dessen, was uns als Betrachtern „gehören“ kann. AGT

* Wirkungsvolles, minimalistisches Spiel mit räumlicher Orientierung und Wahrnehmung
* Lichtskulptur von bleibender kunsthistorischer Relevanz

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.