Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

27

Pablo Picasso

Málaga 1881 – 1973 Mougins

„Grande tête de femme au chapeau“. 1962

Farblinolschnitt auf Arches-Velin. 63,8 × 52,6 cm (75 × 61,5 cm). (25 ⅛ × 20 ¾ in. (29 ½ × 24 ¼ in.)) Signiert und gewidmet: pour Arnera pere. Werkverzeichnis: Baer 1317 B.a.2. Einer der 3 Probeabzüge außerhalb der Auflage von 50 nummerierten Exemplaren. Paris, Galerie Louise Leiris, 1963.  [3668] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Hessen

EUR 80.000 – 120.000
USD 94,100 – 141,000

Verkauft für:
112.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Grande tête de femme au chapeau“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

Los empfehlen

Zustandsbericht anfordern

Die Widmung gilt Hidalgo Arnéra, Picassos langjährigem, auf den Linolschnitt spezialisierten Drucker. Picasso hatte ihn 1954 durch Vermittlung von Suzanne Ramié in Vallauris kennengelernt und arbeitete mit ihm ab dem Sommer eng zusammen: Es entstanden in den folgenden Jahren zahlreiche Linolschnitte, in denen sie die Möglichkeiten der Technik des Linolschnitts ausloteten und perfektionierten.

Bereits in den Dreißigerjahren hatte Picasso erste Erfahrungen mit dem Linolschnitt gesammelt. Ab 1958 entstand dann innerhalb von nur vier Jahren eine in sich geschlossene Werkgruppe, darunter viele Frauenporträts. Auf ihnen dargestellt ist zumeist Jacqueline Roque, die zweite Ehefrau Picassos, die er 1961 heiratete.
Bei unserem Blatt „Grande tête de femme au chapeau“ handelt es sich um eine bezaubernde Liebeserklärung an seine junge Frau. Mit übergroßen Augen blickt sie den Betrachter direkt an. Aus ihren wie zum Kuss gespitzten Lippen formt sich das Profil eines zweiten Kopfes, zweifelos der des Künstlers, welcher am Kinn in einer eleganten Linie ausläuft. Die schwarze Binnenfläche verleiht dem stilisierten Antlitz Roques eine erstaunliche Lebendigkeit.
Der floralen Verspieltheit des Hutes stehen Rechteck, Sichel und Welle im unteren Teil des Bildes gegenüber. Aus den zarten weißen Linien vor Schwarz im linken Teil werden schwarze Flächen vor getöntem Grund auf der rechten Seite. Auf diesem Blatt ist jeder Strich mit größter Präzision gesetzt, nichts wirkt dekorativ, alles dient der Logik des Bildaufbaus und führt dem Betrachter vor Augen, welche Kraft sich allein mit grafischen Mitteln – Linien und Flächen – gewinnen lässt.
Bei mehrfarbigen Linolschnitten werden in der Regel mehrere Platten für einen Druck genutzt, für jede Farbe eine eigene. Picasso aber ging dazu über, nur eine einzige Platte zu nutzen. Er schnitt die Bildanteile, die er einer Farbe zuordnete, hier zum Beispiel Schwarz, Beige und Weiß, aus der Platte, druckte die Farbe und schnitt dann die Motive der nächsten Farbe ins Linoleum. Durch das Weiterarbeiten wurden die schon gedruckten Teile des Bildes auf der Platte zerstört. Beim Druck durften keine Fehler auftreten, sonst wäre die Arbeit verloren gewesen. Mit der Widmung auf unserem Blatt dankt Picasso seinem Drucker Hidalgo Arnéra für dessen kunstvolles Handwerk. OH

* Liebeserklärung des Künstlers an seine zweite Ehefrau Jacqueline Roque
* Prägnantes Beispiel für die innerhalb des Gesamtwerks zahlenmäßig kleine Werkgruppe der Linolschnitte
* Probedruck mit Picassos persönlicher Widmung an seinen Drucker

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.