Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Jeanne Mammen

1890 – Berlin – 1976

„Vor der Komödie am Kudamm, nachts“. Um 1930

Aquarell und Bleistift auf Papier. 35,5 × 48,5 cm. (14 × 19 ⅛ in.) Oben rechts signiert: J. Mammen. Werkverzeichnis: Döpping/Klünner A 353.  [3674] Gerahmt 

ProvenienzEhemals Privatsammlung, Hamburg

EUR 50.000 – 70.000
USD 58,800 – 82,400

Verkauft für:
112.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Vor der Komödie am Kudamm, nachts“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungJeanne Mammen – Aquarelle Paris, Brüssel vor 1915, Berlin 20er Jahre. Hamburg, Galerie Brockstedt, 1971, Kat.-Nr. 39 m. Abb. / Jeanne Mammen / Hans Thiemann. Berlin, Staatliche Kunsthalle, 1979, Kat.-Nr. 31 / Jeanne Mammen – Köpfe und Szenen 1920–1933. Emden, Kunsthalle, Leverkusen, Städtische Museum, Schloss Morsbroich, Hannover, Wilhelm-Busch-Museum u. a. 1991/92, Kat.-Nr. 66

Literatur und AbbildungSimplicissimus. Heft 50, 34. Jg, März 1930, Abb. S. 609 (bez. „Malice“)

Jeanne Mammen war bereits vierzig Jahre alt, als sie dieses Aquarell malte. Zu dem Zeitpunkt lagen hinter ihr: eine glückliche Kindheit, Studien in Paris, Rom und Brüssel, die Erfahrung von Flucht und bitterer Armut nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und mehrere Hundert Gemälde und Zeichnungen, mit denen sie mit Künstlern wie George Grosz, Rudolf Schlichter und Otto Dix zu einer bedeutenden Chronistin der Berliner Zwanzigerjahre avanciert war. Vor ihr lag: ihre erste (!) Ausstellung in einer Galerie, und zwar in der von Wolfgang Gurlitt. Aber das bedeutet nicht, dass sie damals keinen Erfolg gehabt hätte. Zeitschriften wie der „Simplicissimus“ in München oder der „Ulk“ des Verlegers Rudolf Mosse druckten ihre Werke ab, und auch dieses Blatt, ausgeführt in Aquarell und Bleistift, war unter dem ursprünglichen Titel „Malice“ für den „Simplicissimus“ bestimmt.
Die Szene ist typisch für Mammen, die es wie keine Zweite vermochte, Nachtschwärmern und Tagedieben im Berlin der Weimarer Republik sowohl Sympathie als auch Ironie entgegenzubringen, zu gleichen Teilen übrigens. Theaterbesucher warten im Regen vor der Komödie am Kurfürstendamm. „Malice“ – die Bosheit – ist zweifellos ein Porträt, doch womöglich hat Mammen damit keine einzelne Person gemeint, sondern die ganze hochmögende Gesellschaft. Junge Frauen in Mänteln mit Pelzkragen rümpfen die Stupsnasen und zerreißen sich das Maul, assistiert und flankiert von älteren Herren mit Monokel. Auf unvergleichliche Weise hat es Jeanne Mammen verstanden, die Vergänglichkeit eines scheinbar bedeutungslosen Moments im großstädtischen Leben festzuhalten. UC

* Bilder von Jeanne Mammen wurden in Zeitschriften wie „Simplicissimus“ und „Ulk“ abgedruckt
* Am Kurfürstendamm vergnügte sich die Berliner Gesellschaft
* Das Theater als Treffpunkt von Bürgertum und Halbwelt

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