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Ausgewählte Werke

1R

Rudolf Schlichter

Calw 1890 – 1955 München

„Jüngling im Geflecht“. 1954

Öl auf Hartfaser. 72,5 × 69,8 cm. (28 ½ × 27 ½ in.) Unten rechts signiert und datiert: R. Schlichter 1954. Kleine Retuschen.  [3461] Gerahmt 

EUR 30.000 – 40.000
USD 35,700 – 47,600

Verkauft für:
37.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Auktion 330Donnerstag, den 10. Juni 2021, 18.00 Uhr

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AusstellungRudolf Schlichter. Aquarelle, Zeichnungen. München, Galerie Wolfgang Gurlitt, 1958

Literatur und AbbildungSigrid Lange: Das Spätwerk von Rudolf Schlichter (1945–1955). Hamburg, Verlag Dr. Kovač, 2011, Nr. 49, S. 185, Abb. 34, S. 305

In diesem surrealen Meisterwerk zeigt Rudolf Schlichter einen androgynen Menschen: Dem Titel nach blickt uns aus dem Zentrum der wild wuchernden, dornigen Vegetation ein Jüngling entgegen, der an ein im selben Jahr entstandenes Bildnis seiner Frau und Muse Elfriede Elisabeth Koehler, genannt Speedy, erinnert. Die Stirn des ebenmäßigen Gesichts ist von kleinen Locken bedeckt, während die mandelförmigen, blauen Augen von feinen Brauen überspannt und die roten, vollen Lippen leicht geöffnet sind. Die sich lustvoll und voller erotischer Anspielungen um den Jüngling rankenden Pflanzen vor blauem Hintergrund unterstreichen das Spiel zwischen feminin und maskulin. Die Bildwirkung wird durch die veristische Präzision der Malerei noch einmal gesteigert.
Rudolf Schlichter, der als bedeutender Vertreter der Neuen Sachlichkeit gilt, beteiligte sich in der Nachkriegszeit aktiv an der Diskussion um die weitere Entwicklung der Malerei und entdeckte – wie auch Franz Radziwill oder Edgar Ende – im Surrealismus eine zeitgemäße Ausdrucksform: „Wird doch hier nach langer Zeit wieder der Versuch gemacht, das schwer Faßbare unserer Existenz in der Welt, das Paradox, von dem wir gelebt werden, sichtbar zu machen. Er [der Surrealismus] reißt den verschleiernden Mull vom Abgrund unserer Seinsverlorenheit, er läßt uns einen Blick in eine hintergründige Wirklichkeit tun, vor der wir hingerissen erschauern“ (Rudolf Schlichter: Das Abenteuer der Kunst, Stuttgart 1949, S. 69f.). In unserem „Jüngling im Geflecht“ transformiert Rudolf Schlichter die Neue Sachlichkeit zu einem fantastischen Realismus von überragender Modernität. GK

• Surreal-veristisches Spätwerk des Künstlers
• Gemälde von überragender Modernität
• Untergründiges Statement in Antithese zur „Weltsprache Abstraktion“

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