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Kunst des 19. Jahrhundert

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Johann Hermann Camiencke

Hamburg 1810 – 1867 Brooklyn

Die Peter-Pauls-Kirche in Sebnitz (Sächsische Schweiz). 1835

Öl auf Leinwand. 37,5 × 29 cm. (14 ¾ × 11 ⅜ in.) Unten links auf dem Stein monogrammiert und datiert: H.C. 1835. Auf dem Keilrahmen oben auf einem alten Aufkleber mit Feder in Braun beschriftet: Kunst Foreeningen Kirke i Sachsen Carmiencke.  [3142] Gerahmt 

ProvenienzKunstverein, Kopenhagen (1836 auf der u. g. Ausstellung erworben) / wohl Privatsammlungen, Dänemark (bis 1986) / Kunsthandel, Hamburg (1986-1994) / Privatsammlung, Norddeutschland (1994 erworben)

EUR 4.000 – 6.000
USD 4,650 – 6,980

Die Peter-Pauls-Kirche in Sebnitz (Sächsische Schweiz)

Auktion 334Mittwoch, den 1. Dezember 2021, 15.00 Uhr

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AusstellungAkademie-Ausstelllung. Kopenhagen, Schloss Charlottenborg, 1836 („En Kirke i en lille Landsby i Sachsen“)

Literatur und Abbildung488. Auktion. Malerier, antikviteter [...]. Kopenhagen, Bruun Rasmussen, November 1986

Hermann Carmiencke, der aus einfachen Verhältnissen stammte und in Hamburg zunächst eine Malerlehre absolvierte, war von den Gemälden Johan Clausen Dahls wie elektrisiert, die seit 1826 regelmäßig und in größerer Anzahl im Hamburger Kunstverein ausgestellt waren. 1830 ging Carminecke zu Dahl nach Dresden, wo er 1831 auf der dortigen Akademie-Ausstellung mit zwei Motiven aus der Sächsischen Schweiz vertreten war.
Dahl empfahl Carmiencke zur weiteren Ausbildung die Kunstakademie in Kopenhagen, die er selbst mit großen Erfolg besucht hatte. Mit einer Empfehlung von Dahl wurde Carmiencke 1834 Schüler vom C. W. Eckersberg, dem Vater des „Goldenen Zeitalters“ der dänischen Malerei. 1836 kehrte Carmiencke zu Dahl nach Dresden zurück und berichtete nach Kopenhagen: „Der Umgang mit Herrn Professor Dahl ist mir höchst lehrreich, und besonders sucht er junge Leute dahin zu bringen, dass sie neben dem genauen Studium auch insbesonders den Geist der Natur auffassen lernen. Seine Ansichten über Kunst scheinen mir außerordentlich richtig und einleuchtend. Man soll sehen im Bilde, dass der Künstler die Natur studiert hat. Aber das Bild soll nicht nur Studie sein.“
Nach dieser Maxime entstand 1835 unser Bild „Kirche in Sebnitz“, das 1836 auf der Akademie-Ausstellung in Kopenhagen unter dem Titel „En Kirke i en lille Landsby i Sachsen“ (Eine Kirche in einer Kleinstadt in Sachsen) ausgestellt war und vom Kunstverein Kopenhagen zur Verlosung unter den Mitgliedern angekauft wurde. Bis 1986 befand es sich in dänischem und seither in norddeutschem Privatbesitz.
Im Sommer 1836 lernte Carmiencke Carl Heinrich von Schönberg und seine kunstsinnige Frau Emilie kennen. Er lebte eineinhalb Jahre auf Schloss Wechselburg, malte Ansichten der Schlösser Glauchau, Waldenburg, Rochsburg, Hartenstein und Wechselburg. Außerdem unterrichtete er die drei Töchter der Schönburgs im Zeichnen.
1837 kehrte Carmiencke nach Kopenhagen zurück, unternahm Reisen nach Schweden (1841) München und Tirol (1842) und Italien (1845-46). In König Christian VIII. von Dänemark fand er einen wichtigen Mäzen und Auftraggeber. Nach dessen Tod und dem deutsch-dänischen Krieg von 1848/50 wanderte Carmiencke mit seiner Familie nach Amerika aus und wurde in Brooklyn ansässig, wo er eine einflussreiche Stellung innehatte und zu einem der Hauptvertreter der Hudson River School aufstieg.
Werke Carmienckes befinden sich in zahlreichen Museen der USA, im Staatlichen Museum Kopenhagen, in der Hamburger Kunsthalle, dem Museum Schloss Hinterglauchau und seit 2013 auch in der Galerie Neue Meister Dresden.

Ulrich Schulte-Wülwer

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