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Ausgewählte Werke

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Rudolf Schlichter

Calw 1890 – 1955 München

Speedy in roter Bluse. Um 1938

Öl auf Leinwand. 90 × 62 cm. (35 ⅜ × 24 ⅜ in.) Unten rechts signiert: R. Schlichter. Auf dem Keilrahmen ein Stempel der Galleria del Levante, München. Retuschen.  [3357] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Michael Hasenclever, München / Ehemals Privatsammlung, Karlsruhe

EUR 90.000 – 120.000
USD 107,100 – 143,000

Verkauft für:
112.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Speedy in roter Bluse

Auktion 330Donnerstag, den 10. Juni 2021, 18.00 Uhr

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AusstellungRudolf Schlichter 1890–1955. Berlin, Kunsthalle, 1984, Kat.-Nr. 21 (um 1940) / Rudolf Schlichter. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen. Tübingen, Kunsthalle; Wuppertal, Von der Heydt-Museum; München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, 1997/98, Kat.-Nr. 160, Abb. S. 278 (um 1940)

Als Rudolf Schlichter 1927 Elfriede Elisabeth Koehler kennenlernte, hatte er es als Künstler bereits weit gebracht. Er hatte in Berlin an der Ersten Dada-Messe teilgenommen, war Mitglied der Berliner Secession und in der Novembergruppe. Doch mit der Liebesbeziehung zu Elisabeth Koehler änderte sich für ihn alles: So turbulent das Verhältnis und die spätere Ehe auch waren – Schlichter hatte seine persönliche Bestimmung gefunden, seine Passion und die Erfüllung seiner Leidenschaften. Man weiß von Schlichter selbst, dass er Masochist und Fetischist war, in seinem 1931 erschienenen autobiografischen Roman „Zwischenwelt – ein Intermezzo“ hat er darüber Auskunft gegeben. Die Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart verwahrt Zeichnungen, auf denen er detailgetreu die hohen Knöpfstiefel wiedergab, die nicht nur für Elisabeth Koehler bestimmt waren, sondern auch zur Befriedigung seiner Lust dienten. Seine Frau, genannt Speedy, stammte aus Genf – und passte in das Berlin der 1920er-Jahre wie Zigarette und Bubikopf zur damals gültigen Vorstellung von einer modernen Frau. Das Gemälde ist ungefähr vier Jahre nach „Speedy als Madonna“ entstanden (Grisebach Auktion 324, 3.12.2020, Los 6), doch auch dieses Bild offenbart, wie sehr das Paar an Ambivalenz, am Rollenspiel und an hintergründiger Verführung Gefallen fand. Flüchtig betrachtet, stellt Schlichter seine Frau fast züchtig dar. Doch die Fassade bröckelt, wenn man des Blicks gewahr wird, mit dem Elisabeth den Betrachter fixiert. Das Antlitz zur Hälfte verschattet, erscheinen die mit Kajal umrandeten grünbraunen Augen beinahe übergroß in ihrer hypnotischen Wirkung. Die titelgebende Bluse ist grellrot – und grellrot geschminkt ist auch ihr sinnlich, aber dabei leicht herrisch geschwungener Mund. Schlichter, der zu der Zeit in Stuttgart lebte, stellt uns in diesem Werk nicht nur seine Frau vor, er legt auch Zeugnis ab von seinen Obsessionen. UC

• Eines der begehrten Porträts von Schlichters Ehefrau Speedy
• Offenbart das obsessive Verhältnis zwischen Rudolf Schlichter und Speedy
• Eindringliche Präsenz und Erscheinung der Dargestellten

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