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Sander Collection

607

Heinrich Hoerle

1895 – Köln – 1936

„Selbstbildnis“. 1931

Öl auf Karton, auf Leinwand aufgezogen. 41 × 29 cm. (16 ⅛ × 11 ⅜ in.) Oben rechts monogrammiert und datiert: h 1931 3. Werkverzeichnis: Backes I 86.  [3459]

ProvenienzAugust Sander, Köln (seitdem in Familienbesitz)

EUR 60.000 – 80.000
USD 71,400 – 95,200

Verkauft für:
156.250 EUR (inkl. Aufgeld)

„Selbstbildnis“

Auktion 333Donnerstag, den 10. Juni 2021, 15.00 Uhr

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Es liegt eine Leihanfrage vor zu der Ausstellung „August Sander et la Nouvelle Objectivité” im Centre Pompidou, Paris (11.5.2022 - 5.9.2022), und im Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk (13.10.2022 - 19.2.2023).

AusstellungKölner Künstler. Köln, Kölnischer Kunstverein, 1931 (?) / Vom Dadamax zum Grüngürtel. Köln in den 20er Jahren. Köln, Kunstverein, 1975, Abb. S. 89 / Die Progressiven. Hamburg, Galerie Brockstedt, 1975, unpag., m. Abb. / Politische Konstruktivisten. Die „Gruppe progressiver Künstler“. Berlin, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, in der Akademie der Künste, 1975 / Zeitgenossen. August Sander und die Kunstszene der 20er Jahre im Rheinland. Köln, Josef-Haubrich-Kunsthalle, und Kiel, Kunsthalle, 2000, S. 223, Kat.-Nr. 388, u. S. 68, Abb. 68 / Los progresistas de Colonia. August Sander y su círculo de amigos. 1920–1933. Valladolid, Museo de Pasión, Sala Municipal de Exposiciones, 2012/13, Abb. S. 50

Klar, ganz bei sich und in sich ruhend, mit offenen, großen Augen blickt er uns an – nahezu ohne jegliche Mimik, dennoch höchst ausdrucksstark. Die Rede ist von Heinrich Hoerle in seinem „Selbstbildnis“, das der Kölner Künstler 1931 schuf.
Auf den ersten Blick erscheint die in ihrer Bildsprache stark reduzierte und sich lediglich durch den Titel erklärende Selbstdarstellung streng symmetrisch. Der eiförmige, längliche Kopf ist deutlich in einzelne Gesichtspartien unterteilt. Durch unterschiedliche Farbflächen, geometrische Formen und feine Konturen zeichnen sich die Stirn in Gestalt eines Halbkreises, die Augenpartie – hier: zwei große Kreise –, zwei auffällige Ohren, die Nase mit jeweils dominanten Nasenflügeln, der Mund und das kreisförmige Kinn ab. Das Gesicht ist exakt in der Mitte – zu vergleichen mit einer Achsenspiegelung – geteilt: Die linke Bildhälfte ist in dunklen, die rechte Hälfte in deutlich helleren und leuchtenden Farbflächen gehalten. Eine Sonnen- und eine Schattenseite entstehen.
Der Künstler bricht jedoch bewusst mit dem streng symmetrischen und konstruierten Bildaufbau, indem er das vermeintliche Zentrum des Bildes – den Kopf – leicht in die rechte Bildhälfte versetzt. Auf der dazugewonnenen linken Bildfläche findet eine aus verschiedenen Farbblöcken bestehende, an eine Sonne erinnernde Form Platz, die – auf der „Schattenseite“ – hoch am „Himmel“ steht und sich in der geometrischen Gestalt der Augen und des Kinns wiederfindet.
Anders als bei seinem engen Freund und Weggefährten Franz Wilhelm Seiwert lässt sich Hoerles künstlerisches Schaffen nicht nur einem einzigen Stil zuordnen. Neben dem gegenständlichen Konstruktivismus wurde sein facettenreiches, experimentierfreudiges Œuvre auch vom Kubismus, Dadaismus, der Neuen Sachlichkeit und dem Surrealismus beeinflusst. Der bereits mit 40 Jahren verstorbene Künstler, der mit Franz Wilhelm Seiwert und August Sander zum Kern der „Gruppe progressiver Künstler“ gehörte, schuf 1931 dieses herausragende Selbstbildnis – der Mensch in Zeiten des politischen und sozialen Umbruchs. SSB

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