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Ausgewählte Werke

1N

Emile Bernard

Lille 1868 – 1941 Paris

„Bretonnes dans un champ ou La moisson“. 1888

Öl auf Leinwand. 27 × 62 cm. (10 ⅝ × 24 ⅜ in.) Unten links signiert und datiert: Emile Bernard 1888. Werkverzeichnis: Luthi/Israël 125.  [3002] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Schweiz (1977 bei Galerie Koller, Zürich, erworben)

EUR 150.000 – 200.000
USD 174,000 – 233,000

„Bretonnes dans un champ ou La moisson“

Auktion 336Donnerstag, den 2. Dezember 2021, 18.00 Uhr

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Literatur und AbbildungVersteigerungskatalog: Bilder 15.-20. Jh. Graphik und bibliophile Editionen 19. und 20. Jh. Zürich, Galerie Koller, 20./21.5.1977, Kat.-Nr. 5026, Abb. Farbtafel III

Das Gemälde „Bretoninnen auf dem Feld oder Die Ernte“ malte Émile Bernard 1888 – in seinem wichtigsten Schaffensjahr: Seite an Seite mit Paul Gauguin arbeitete der damals erst 20-jährige Künstler in Pont-Aven an der bretonischen Küste. Auch hatte er angefangen, Briefe an Vincent van Gogh zu schreiben, die beiden pflegten bald einen regen Austausch. Gemeinsam war allen drei der Wunsch, den Impressionismus zu überwinden und eine neue ausdrucksstarke Malerei zu entwickeln.
Während van Gogh dabei auf seinen charakteristischen Stil mit akzentuierten, gut sichtbaren Pinselstrichen setzte, entwickelten Gauguin und Bernard den Cloisonismus, eine an mittelalterliche Glasfenster angelehnte Technik, bei der die Farbe flächig aufgetragen und die Fläche dann durch dunkle Linien konturiert wurde. Damit sollten sie den Beginn des Post-Impressionismus einleiten.
Unser Bild zeigt mehrere Figurengruppen: Eine Frau mit rotem Rock, dunkler langer Bluse und weißer Haube pflückt Obst von einem Baum. Im Zentrum des Gemäldes lagern zwei Frauen auf dem gemähten Feld, zwei andere – ebenfalls in der für die Region typischen Tracht – stehen weiter links und sind in ein Gespräch vertieft. Im Hintergrund erkennt man zwei Schnitter bei der Ernte. Zum Horizont hin begrenzen grün belaubte Bäume und einfache Häuser, die sich kontrastreich vom Blau des Himmels absetzen, das sommerliche Feld. Die faszinierende Leichtigkeit, mit der Bernard hier den Pinsel führte, erinnert an Werke Paul Cézannes.
Die „regionalen Trachten hatten mich zu einer gelben, sonnendurchfluteten Wiese inspiriert, die von den typisch bretonischen Hauben und blau-schwarzen Figurengruppen beherrscht wurde“ (zit. nach: Fred Leemann: Symbolismus und Religion – Emile Bernards Suche nach Inhalten, in: Dorothee Hansen (Hg.): Émile Bernard. Am Puls der Moderne, Ausst.-Kat. Kunsthalle Bremen 2015, Köln 2015, S. 47). Der Durchbruch zur Überwindung der feinteiligen impressionistischen Malweise zugunsten einer dekorativen, flächigeren Auffassung ist ihm zweifellos grandios gelungen. GK

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