Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Hans Grundig

1901 – Dresden – 1958

„Mädchen mit rosa Hut“. 1925

Öl auf Karton. 70,4 × 50 cm. (27 ¾ × 19 ⅝ in.) Unten links signiert und datiert: Grundig 25. Werkverzeichnis: Bernhardt G 12. Rückseitig: „Mann mit schwarzem langen Haar“. 1925 (?). Öl.  [3548] Gerahmt 

ProvenienzLea Grundig, Dresden / Ladengalerie, Berlin (um 1972 von Lea Grundig erworben) / Privatsammlung, Europa

EUR 100.000 – 150.000
USD 118,000 – 176,000

„Mädchen mit rosa Hut“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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AusstellungHans Grundig. Ausstellung zum 70. Geburtstag. Berlin, Ladengalerie, 1971, Kat.-Nr. 4 / Wem gehört die Welt. Kunst und Gesellschaft in der Weimarer Republik. Berlin, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Staat- liche Kunsthalle, 1977, S. 343, Kat.-Nr. 139, m. Abb. / Kunst des 20. Jahrhunderts aus Berliner Privatbesitz. Berlin, Akademie der Künste, veranstaltet von der Interessengemeinschaft Berliner Kunsthändler, 1978, S. 244, Abb. S. 27 / Memento mori. Hans Grundig 1901–1958. Ausstellung zum 80. Geburtstag. Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Fotos, Bücher. Berlin, Ladengalerie, 1981 (Faltblatt) / Berlin – Im Schatten der zwanziger Jahre. Malerei und Grafik. Pfäffikon, Seedamm-Kulturzentrum, 1992, Kat.-Nr. 74 (datiert: 1929) / Getroffen. Otto Dix und die Kunst des Por-träts. Stuttgart, Kunstmuseum Stuttgart, 2008, Abb. S. 301 / Magic Realism. Art in Weimar Germany 1919–33. London, Tate Modern, 2018/19, S. 108, Abb. S. 56

Eine junge Frau sitzt uns frontal gegenüber und schaut mit ernstem Blick haarscharf links an uns vorbei, so als sei sie ein wenig abwesend. Oder muss sie sich auf die nicht alltägliche Situation des Repräsentierens einstellen? Der Raum ist denkbar spartanisch eingerichtet: in der linken Ecke ein Bett, darüber eine Wanduhr, an der hinteren Wand rechts ein Bild, das der Behausung eine persönliche Note geben soll. Die Frau hat sich fein gemacht, sie trägt wohl ihr bestes Kleid und einen modischen Topfhut. Ihre stille Würde, die der Maler in seinem einfühlsamen Bildnis präsentiert, hat ihren Ursprung auch in der Vertrautheit der Dargestellten mit dem Künstler. Es handelt sich nicht um irgendein Modell, sondern um Gerda Laube, die damalige Lebensgefährtin Hans Grundigs. Drei Mal hat er sie im Jahr 1925 gemalt: in einem weiteren Halbfigurenporträt (Bernhardt G 9) und als sinnliche Verführerin in dem Gemälde „Liebespaar“ (Bernhardt G 13), das 1925 in der Sommerausstellung des Dresdner Kunstvereins für einen Skandal sorgte.
Gerda Laubes Bildnis zeigt bereits den spezifischen symbolischen Realismus Grundigs, der nie den scharfen und polemischen Ton der sogenannten Veristen anstimmen sollte. Das Interieur, in dem die Porträtierte uns präsentiert wird, ist kein Raum, der eine realistische Wohnsituation abbildet, sondern die wie beiläufig angedeutete Kärglichkeit in Beziehung setzt zur Feierlichkeit der Erscheinung der Dargestellten. Eine stimmige Perspektive fehlt dieser Stube, und Gleiches gilt für die Größenverhältnisse der abgebildeten Gegenstände. Das Bett winzig, die Uhr unerreichbar und das Bild eine Reminiszenz an das Kulturbedürfnis der Bewohnerin. Wie beim „Schüler mit roter Mütze“ (Grisebach Auktion 319, Los 12), ebenfalls 1925 entstanden, ist eine zentralperspektivische Plausibilität für Grundigs Bildfindung nicht von Belang. Der Maler zeigt einen Menschen, den er im landläufigen Sinn wenig vorteilhaft darstellt. Die leicht geröteten Augen, der asymmetrische Mund und die robuste Nase bilden einen Charakterkopf, der herkömmliche Repräsentationsformen unterläuft. Aber er steht für ein Menschenbild, das dem Einzelnen eine unverwechselbare Persönlichkeit zuspricht, die weder von seiner Herkunft noch seiner Stellung abhängig ist. MS

* Ikone der Dresdner Neuen Sachlichkeit
* Eindringliches Porträt der Freundin des Künstlers
* Eines der sehr seltenen frühen Gemälde von Hans Grundig auf dem Kunstmarkt

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