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Kunst des 19. Jahrhunderts

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Amalie Bensinger

Bruchsal 1809 – 1889 Insel Reichenau

Margarethas Sehnsucht (aus Joseph Victor von Scheffels „Trompeter von Säckingen“). 1856

Öl auf Leinwand. Doubliert. 122 × 155 cm. (48 × 61 in.) Unten links signiert und datiert: Bensinger 1856. Sorgfältig restauriert.  [3175] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Portugal

Addendum/ErratumDer korrekte Schätzpreis ist: EUR 15.000-20.000

EUR 15.000 – 20.000
USD 16,700 – 22,200

Verkauft für:
47.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Margarethas Sehnsucht (aus Joseph Victor von Scheffels „Trompeter von Säckingen“)

Auktion 340Mittwoch, den 1. Juni 2022, 15.00 Uhr

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Die Wiederentdeckung der badischen Malerin Amalie Bensinger

„Sie hat ein unglaubliches und als Weib wirklich ungeheureres Talent“ – mit diesen Worten erkennt Johann Wolfgang von Goethe nicht nur das Talent Amalie Bensingers an, sondern umreißt sogleich ein Leitmotiv ihrer Karriere: Als Malerin war sie für ihre männlichen Zeitgenossen und Kollegen eine – offensichtlich überraschende – Ausnahmeerscheinung, die sich mit Selbstbewusstsein und brillanter Virtuosität bestens zu behaupten wusste.
Aufgewachsen als Tochter einer gut etablierten Mannheimer Kaufmannsfamilie, folgte die junge Amalie ihrer Begeisterung für Malerei nach Düsseldorf, um privaten Unterricht zu nehmen. Obwohl ihr als Frau der Zugang zur Akademie verwehrt blieb, sollte sie sich als Schülerin von Karl Ferdinand Sohn und Wilhelm von Schadow besonders hervortun. Besonders prägend für ihren weiteren Werdegang sollte aber vor allem ihre Italienreise 1851/52 sein. In Rom knüpfte sie schnell Kontakt zu den dort ansässigen Nazarenern und begeisterte sich besonders für die Malerei von Friedrich Overbeck und Peter von Cornelius. Die hier erstmals entstandene Idee einer den Nazarenern nachempfundenen Künstlergemeinschaft für Frauen sollte Amalie noch nachhaltig beschäftigen.
Zu den in Albano und Olevano neu geknüpften Freundschaften gehört auch die zu Joseph Victor von Scheffel. Er beschreibt sie als „Enfant terrible, das in barocker Weise in Italien herumirrlichteliert, aber trotz männerbeschämenden Muthes ernsten Sinn für Kunst besitzt“. Sie inspirierte den Dichter zu einer Szene seines Ekkehart, wofür er Amalie im Gegenzug als Figur in seinem Erstlingswerk
„Der Trompeter von Säckingen“ verewigte. Das Versepos sollte zu einer der erfolgreichsten und meistgelesenen Erzählungen des 19. Jahrhunderts werden. Die Liebesgeschichte beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt von Margaretha und Werner, denen das Zusammensein aufgrund ihres Standesunterschiedes verwehrt war. Vom Schicksal zunächst getrennt, kreuzen sich die Wege der Liebenden erneut in Rom, wo sie durch geistlichen Beistand zuletzt doch noch heiraten durften.
In ihrem Gemälde von 1856 stellt Amalie Bensinger in selbstbewusstem Format nicht etwa den titelgebenden Trompeter von Säckingen vor, sondern die weibliche Protagonistin Margaretha. Noch in Melancholie, Trauer und Sehnsucht, mit der Rose als Symbol der Liebe in der herabsinkenden Hand, folgt Margaretha ihrer älteren Gefährtin.
Im nazarenisch-romantischen Stil verankert, widmet sich die Malerei Amalie Bensingers vornehmlich Genreszenen, literarischen Sujets und christlicher Bildmotive. Besonders gern setzt sie dabei Protagonistinnen ins Zentrum der Bilder. Ihrer Zeit damit weit voraus, verfolgte sie bis zu ihrem Lebensende den Traum eines „Kunstklosters“ für Frauen. Ein eigenes „Schlössle“ hatte sie zu diesem Zweck auf der Insel Reichenau am Bodensee erworben. Verwirklicht werden konnte der Plan jedoch nicht mehr.
Eine Vielzahl der Werke Amalie Bensingers sind als Teil einer Mannheimer Sammlung 1943/44 dem Bombardement der Stadt zum Opfer gefallen. Das moderne Leben und das meisterlich ausgeführte Œuvre der Künstlerin sind in Vergessenheit geraten und warten sehnsuchtsvoll auf Wiederentdeckung.
Constanze Hager und Luca Joel Meinert

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