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Kunst des 19. Jahrhunderts

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Albrecht Dürer

1471 – Nürnberg – 1528

„Der heilige Eustachius“. Um 1501

Kupferstich auf Bütten (Wasserzeichen: Großer Bär (Meder 87, zwischen 1525 und 1540)). 35,1 × 25,7 cm. (13 ⅞ × 10 ⅛ in.) Rückseitig unten rechts mit dem Sammlerstempel Lugt 4096. Werkverzeichnis: Bartsch 57 / Meder 60 e (von k) / Schoch/Mende/Scherbaum 32 e (von k). Insgesamt sehr schöner, gleichmäßiger, klarer Abzug. Wohl noch zu Lebzeiten Dürers, oder unmittelbar nach seinem Tod.  [3088]

ProvenienzEhemals Roger Passeron, Frankreich

Addendum/ErratumDas korrekte Maß ist: 35,1 × 25,7 cm (13 7/8 × 10 1/8 in.).

EUR 40.000 – 60.000
USD 44,400 – 66,700

„Der heilige Eustachius“

Auktion 340Mittwoch, den 1. Juni 2022, 15.00 Uhr

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Vergoldet und Gerühmt

Albrecht Dürers Kupferstich des heiligen Eustachius ist nicht nur eine seiner prächtigsten, detailreichsten Arbeiten – er ist auch Dürers größter je geschaffener Stich. Als Vorzeigestück seiner Meisterschaft gab Dürer mindestens sechs Drucke des „Eustachius“ bei seiner niederländischen Reise (1520–1521) weiter. Bis nach Italien war das Blatt mit seiner üppigen, reichhaltigen Szenerie bekannt. Giorgio Vasari lobte ausdrücklich die Windhunde, die „nicht schöner sein“ könnten. Ihren Höhepunkt findet die Wertschätzung der Zeitgenossen vielleicht in der Überlieferung, nach der Kaiser Rudolf II. in Prag die in seinem Besitz befindliche Druckplatte des Eustachius vergolden ließ.
Dürer zeigt eine formenreich ausgearbeitete schroffe, sich auftürmende Felslandschaft – bewachsen von Laub- und Nadelbäumen –, auf deren Gipfel eine Burg in den Himmel ragt. Eine Jagd ist zum Stillstand gekommen: vorn steht ruhevoll das gesäumte Pferd, fünf Hunde rasten sitzend und liegend. Der Jäger auf Knien wendet sich dem von Bäumen gerahmten Hirsch zu, der ein Kreuz im Geweih trägt. Hierin offenbart sich das Thema des Stichs: die Bekehrung des römischen Offiziers Placidus zum Christentum. Zu ihm sprach der Hirsch mit der Stimme Christi: „Eustachius, was jagst Du mich, glaube mir, ich bin Christus und habe lange nach Dir gejagt.“ Daraufhin bekehrte sich der Jäger und nahm den Namen Eustachius (griechisch: der Standfeste) an. Zu Dürers Zeit wurde er einer der beliebtesten Heiligen. Eustachius war nicht nur einer der damals so oft aufgerufenen 14 Nothelfer, sondern auch – gleich dem Heiligen Hubertus – Schutzpatron der Jäger.
Doch bei Betrachtung des Stichs scheint es, als trete die Darstellung der Heiligengeschichte gegenüber der Vielzahl der einzelnen gestochenen Motive zurück. Dominiert wird das reich illustrierte Blatt durch die Größe und Helltonigkeit des Pferdes, an dem sich Dürers Proportionsstudien zum Idealmaß des Tiers erkennen las- sen. So folgt etwa der Übergang vom Hals zum Rumpf dem Lauf einer Zirkelbahn. Die Windhunde präsentiert Dürer gleich einzelnen Naturstudien – jeder in einer neuen Ansicht und ohne Überschneidung. Dieses zur Schau gestellte Naturstudium, die Vielzahl der Einzelmotive sowie die Suche nach idealen Proportionen machen den „Eustachius“ zu einem von Dürers vielfältigsten Kunst-Stücken. Constanze Hager

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