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Kunst des 19. Jahrhunderts

112

Franz Ludwig Catel

Berlin 1778 – 1856 Rom

„Blick vom Grab des Vergil auf den Vomero-Hügel mit Castel Sant'Elmo in Neapel“. Um 1818/19

Öl auf Papier, auf Leinwand aufgezogen. 35,5 × 25,5 cm. (14 × 10 in.) Werkverzeichnis: Das Gemälde wird in das in Vorbereitung befindliche Verzeichnis der Werke Franz Ludwig Catels von Dr. Andreas Stolzenburg, Hamburg, aufgenommen.  [3282]

ProvenienzPrivatsammlung, Italien

Addendum/ErratumDas korrekte Maß ist: 35,5 x 25,5 cm (14 × 10 in.).

EUR 8.000 – 12.000
USD 8,890 – 13,300

„Blick vom Grab des Vergil auf den Vomero-Hügel mit Castel Sant'Elmo in Neapel“

Auktion 340Mittwoch, den 1. Juni 2022, 15.00 Uhr

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„En plein air“

Im „Leipziger Kunstblatt für Theater und Musik“ erschien 1818 die Nachricht, dass Catel mit dem russischen „Fürsten Galitzin nach Sizilien“ reisen werde. Eine Reise die am 7. Juli 1818 in Neapel per Schiff nach Palermo begann, am 5. August ihren Höhepunkt mit der Besteigung des Aetna hatte und am 11. August mit der Rückreise nach Neapel endete.
Ein Gemälde Catels, heute in Essen im Folkwang Museum, zeigt eine Ansicht des sog. Grabes des römischen Dichters Vergil. Rechts neben der an dem Felsen angebrachten Gedenktafel für den Dichter steht ein junger, vornehm gekleideter Mann, ein Reisender auf seiner Grand Tour, welcher die Inschrift liest.
Am Grab vorbei blickt man hinüber auf die im hellen Sonnenlicht erstrahlende, vom üppigen Grün der Bäume umrahmte Silhouette Neapels, genauer auf den Vomero-Hügel, mit der Kirche Santi Giovanni e Teresa im Vordergrund und dem darüber thronenden Castel Sant`Elmo sowie der erst 1818 erbauten klassizistischen Villa Lucia. Bei dem rechts stehenden vornehmen Reisenden handelt es sich um den im „Kunstblatt“ erwähnten Fürsten Golizyn, wahrscheinlich um Fürst Alexander Michailowitsch Golizyn (1798–1858). Catel selbst war vor und nach der Reise in Neapel, wollte jedoch angeblich im November wieder nach Rom zurückreisen, scheint aber möglicherweise doch bis ins Frühjahr 1819 dort geblieben (oder dorthin zurückgekehrt) zu sein, denn in der „Allgemeinen Zeitung“ vom Ende März 1819 wird berichtet: „Der Maler Hr. Catel, der von seiner Reise nach Sizilien und Neapel zurückgekehrt ist, hat mehrere reizende Gemälde ausgestellt.“
Ob das Gemälde bereits vor oder erst nach der Reise mit dem Fürsten Golyzin ausgeführt wurde, muss offenbleiben, sodass eine Entstehung lediglich mit „1818/19“ angenommen werden kann, was auch für die erhaltenen Studien zum Bild gelten darf.
Es waren bislang zwei Vorarbeiten zur Essener Komposition bekannt, eine Kompositionszeichnung im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle (Pinsel in Braun und Grau über Bleistift, 310×250mm) und eine kleine Ölstudie im Metropolitan Museum in New York (Öl auf Papier, 305 x 222 mm), denen sich die vorliegende, nur wenig größere Ölstudie „en plein air“ überzeugend zur Seite stellen lässt. Der Standpunkt des Künstlers lag dabei etwas weiter unten auf der zum Grab hinaufführenden Treppe, was die Sicht auf den gegenüberliegenden Vomero-Hügel in leichte Untersicht bringt und diesen so steiler und erhabener wirken lässt. Die Vegetation links und rechts der Treppe ist auf den beiden, wohl mehr oder weniger zeitgleich entstandenen Ölstudien sehr ähnlich, und die Art der Pinselführung spricht auch für diese Ölstudie auf Papier zudem zweifellos für die Hand des Berliner Künstlers. Andreas Stolzenburg

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