Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

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Karl Hofer

Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin

„Die Magd“. 1922

Öl auf Leinwand. 82 × 65 cm. (32 ¼ × 25 ⅝ in.) Unten links monogrammiert: CH. Werkverzeichnis: Wohlert 483. Craquelé.  [3425]

ProvenienzGalerie Lothar Hempe, Weimar / Privatsammlung, Hessen (wohl [nach] 1948 bei Hempe erworben, seitdem in Familienbesitz)

EUR 180.000 – 240.000
USD 194,000 – 258,000

„Die Magd“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Rahmen: Spanien, 18. Jahrhundert (Leihgabe Rahmen Dengg)

AusstellungAusstellung Carl Hofer, Ernesto de Fiori. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1927, Kat.-Nr. 9 / Katalog der 55. Ausstellung: Karl Hofer. Berlin, Berliner Secession, 1928, Kat.-Nr. 22

Literatur und AbbildungWerner Heldt, Carl Hofer, Max Kaus [u.a.]. Berlin, Galerie Bremer, 1947, m. Abb. (nicht ausgestellt) / Meisterwerke moderner Kunst. Malerei, Plastik, Grafik. Weimar, Galerie Lothar Hempe, 1948, o. S., o. Nr., m. Abb

Zeit seines Lebens beschäftigte sich Karl Hofer so intensiv mit der Darstellung des Menschen wie nur wenige andere Künstler seiner Zeit. In unzähligen Variationen suchte er eine ihn malerisch befriedigende, allgemeingültige Form zu finden.
Dabei trachtete Hofer danach, aus der Beobachtung der Natur und ihrer unerschöpflichen Vielfalt das Wesenhafte zu extrahieren. Besonders in den Akten und Halbakten junger Frauen offenbarte er eine an antiken Vorbildern geschulte Auffassung des Menschen, so wie man sie auch in den Arbeiten etwa von Hans von Marées und den frühen Werken Picassos erkennen kann.
Dies führte dazu, dass sich Physiognomien und Körper der Frauen in den Bildern Hofers ähneln. Der Maler brauchte keine Modelle, die für diese oder jene Bilderfindung in unterschiedlichen Posen vor ihm saßen. Er hatte die Fähigkeit erlangt, seine einmal gefundene Form wieder und wieder neu zu erschaffen.
Dem Gemälde „Die Magd“ allerdings wohnt ein für Hofer ungewöhnlich erzählerisches Moment inne. Wir sehen eine junge Frau, nur mit einem Unterrock bekleidet, die sich in ihrer Dachstube die Haare löst. Den Blick abgewendet, die Augen leicht geschlossen, greift sie mit beiden Händen in ihr langes, blondes Haar. Das Fenster rechts wirkt stark stilisiert, ist mehr eine Chiffre, eine Öffnung in der Wand als Bild im Bild, und der Blick fällt auf einen Kirchturm.
Auch in der Behandlung der Wandflächen offenbart sich Hofer ganz als Maler der Moderne. Sie sind abstrakte Farbtableaus, keine Architektur. In ihnen offenbart sich die Vorliebe des Malers für Ocker, Orange, Smaragdgrün und Karmesin – alles Töne, die in Reflexen ihre Spuren auf der Haut der jungen Frau hinterlassen haben.
In dieser meisterhaft ausgeführten Malerei erhält Hofers Lebensthema, die Suche nach der ruhigen, harmonischen, selbstverständlichen Präsenz des Menschen, einen kongenialen Rahmen.
OH

* Typisches Beispiel für Hofers ruhige, melancholische Aktdarstellungen
* Koloristisch reizvolles Gemälde
* Harmonische Mischung aus abstrakten und gegenständlichen Bildelementen

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