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Kunst des 19. Jahrhunderts

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Julius Kaskel

1802 – Dresden – 1862

Fensterblick auf Dresden. 1837

Öl auf Leinwand. 32 × 24 cm. (12 ⅝ × 9 ½ in.) Unten rechts in der Fensterbank (schwer lesbar) signiert und datiert: J. Kaskel 1837.  [3086] Gerahmt 

ProvenienzEhemals Privatsammlung, Süddeutschland

EUR 5.000 – 7.000
USD 5,560 – 7,780

Fensterblick auf Dresden

Auktion 340Mittwoch, den 1. Juni 2022, 15.00 Uhr

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Fenster mit Aussicht

Fenster mit Aussicht sind bei Künstlern bis heute beliebt. In Dresden führte Caspar David Friedrich das Motiv des offenen Fensters in die romantische Malerei ein. In ihm fanden die Romantiker ein starkes Symbol für die Erfahrung, an der Schwelle zwischen Innen- und Außenwelt zu stehen. Die Gegenüberstellung der engen Vertrautheit eines Raumes und der ungewissen, oft idealisierten Vision des Dahinterliegenden wurde sofort als Metapher für unerfüllte Sehnsucht erkannt.
Julius Kaskel gehörte der bedeutenden jüdischen Bankiersfamilie Kaskel in Dresden an, aus deren Bankhaus 1872 die Dresdner Bank hervorging. Gemeinsam mit seinem Bruder Karl Kaskel (1798–1874) führte er über viele Jahre die Geschäfte der Bank. Mitte des 19. Jahrhunderts galt ihre Familie als eine der bedeutendsten und einflussreichsten der Residenzstadt. Musisch und künstlerisch außerordentlich interessiert, luden die Kaskels oft zu Salonabenden ein und führten ein offenes Haus. Ihre Adressen waren neben beziehungsweise mit dem Dresdner Hof wichtigste Orte des kulturellen Lebens und Austausches jener Jahre in Dresden. Befreundet waren sie u.a. mit Clara und Robert Schumann, Gottfried Semper sowie dem Schriftsteller Wolf Graf von Baudissin.
Am 11. Juni 1832 hatte Julius Kaskel für seinen Vater das unweit von Dresden malerisch an der Elbe gelegene Landgut „Antons“ ersteigert. (Dem Vater selbst war der Erwerb als Jude nach damaligem geltendem Recht nicht möglich gewesen, jedoch seinem christlich getauften Sohn).
Dieser neue Grundstückserwerb scheint Anlass für das vorliegende Gemälde gewesen zu sein. Motivisch ist es eine Erfindung des Dresdner Malers Traugott Faber, dessen Bild Kaskel sicher direkt oder indirekt als Vorlage nutzte.
Fabers Gemälde war einige Jahre zuvor entstanden und auf der Dresdner Akademie-Ausstellung 1823 unter dem Titel „Aussicht auf Dresden, aus einem Fenster des sogenannten Antonschen Garten-Grundstückes an der Elbe“ präsentiert worden. Diese hervorragende, romantische Dresden-Ansicht konnte 2010 von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über den Kunsthandel aus Privatbesitz erworben werden. Seitdem kann das Bild in den Ausstellungsräumen im Albertinum bewundert werden.
Kaskel ergänzt seinen Ausblick um einen roten Vorhang, fängt aber das gleißende Abendlicht über der Stadt und dem Fluss gleichsam brilliant ein und ent- wickelt damit eine Suggestivkraft, die den Betrachter magisch in seinen Bann zieht. Dargestellt ist ein Blick aus einem Gaubenfenster des Landgutes über das Anwesen hin zu den weiten Elbauen bis zur Stadtsilhouette Dresdens. Die markante Kuppel der berühmten Frauenkirche sowie die Bögen der Augustusbrücke, die Altstadt und Neustadt miteinander verbindet, sind dem Betrachter wohlvertraut. Besonders ins Auge fällt aber die sich im Fluss spiegelnde weiße Fassade der Gemäldegalerie, auf der so genannten Brühlschen Terrasse – ein Fixpunkt des Künstlers mit besonderer Relevanz, fanden hier doch die jährlichen Ausstellungender Dresdener Kunstakademie statt. Claudia Maria Müller

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