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Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Alexej von Jawlensky

Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden

„Abstrakter Kopf: Komposition Nr. 9“. 1924

Öl auf leinenstruktiertem Papier, auf Karton aufgezogen. 42,5 × 34,5 cm. (16 ¾ × 13 ⅝ in.) Unten links monogrammiert: A. J. Rückseitig mit Feder in Braun betitelt und mit Feder in Schwarz datiert und bezeichnet: Komposition N. 9 1924 N.13 [durchgestrichen]. Werkverzeichnis: Jawlensky 1221. Retuschen.  [3082] Gerahmt 

ProvenienzNachlass des Künstlers / Privatsammlung, Berlin

EUR 250.000 – 350.000
USD 294,000 – 412,000

„Abstrakter Kopf: Komposition Nr. 9“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Literatur und AbbildungClemens Weiler: Alexej Jawlensky. Köpfe, Gesichte, Meditationen. Hanau, Dr. Hans Peters Verlag, 1970, S. 144 (Werkstattverzeichnis), Nr. 222 / Angelica Jawlensky: 14 neue Jawlenskys im Museum Wiesbaden. In: Ausst.-Kat.: Schwerpunkte. 30 Neuerwerbungen aus der Sammlung Hanna Bekker vom Rath. Wiesbaden, Museum Wiesbaden, 1988, S. 38-47, hier S. 46 und Abb. S. 45 (nicht ausgestellt)

Im Laufe seiner künstlerischen Entwicklung hat sich der russische Maler Alexej von Jawlensky seinen Motiven auf sehr unterschiedliche Weise angenähert. Während das Frühwerk noch den Traditionen seiner Heimat verpflichtet ist, löst das Spätwerk sich in Abstraktionen und Farbvariationen auf. Jawlenskys künstlerischer Werdegang ist eng mit Reisen und Wohnortswechseln verbunden. 1914 begann er im Schweizer Exil mit dem Ausloten einer einzigen Landschaft in immer neuen farblichen Variationen. Die daraus hervorgegangene Serialität baute er zu einem zentralen Bestandteil seiner künstlerischen Sprache aus. Verschiedene Themen sollten ihn von nun an in immer neuen Serien beschäftigen, wobei er die Formensprache stetig reduzierte und kanonisierte. Nach der anfänglichen Bearbeitung des Themas Landschaft wandte er sich den „Mystischen Köpfen“ und „Meditationen“ – pastose Varianten frontaler Gesichter – zu. Nach seinem Umzug ins hessische Wiesbaden 1921 beschäftigte er sich bis etwa 1933 vor allem mit den „Abstrakten Köpfen“, in denen er ein frontales Gesicht in immer neuen Farbvarianten wiedergibt.
Verschiedene Bildelemente tauchen in diesen Werken stets auf: Eine senkrechte, oftmals zu einem Strich reduzierte Nase in der Bildmitte, eine schmale Horizontlinie als Mund und die geometrischen Augen mit dem darüber liegenden, stilisierten Haaransatz. Diese Bestandteile dürfen als ein Kanon der Bildsprache Jawlenskys in jenen Jahren gelten.
Zu dieser Serie kann auch der „Abstrakte Kopf: Komposition Nr. 9“ aus dem Jahr 1924 gerechnet werden. Frontal blickt der Betrachter in ein auf wenige strenge Formen reduziertes Gesicht. Die zu Parallellinien typisierten Augen und der gerade Mund verleihen dem Bild eine kontemplative Ruhe. Leuchtende intensive Farben, die in streng voneinander abgegrenzten Flächen aneinanderstoßen, prägen das Gemälde. Traditionell waren es in erster Linie Christusdarstellungen und die Abbildung von Heiligen, die frontal ausgerichtet dargestellt wurden. Der „Abstrakte Kopf“ gewinnt dadurch die Bedeutung einer modernen Ikone. TDG

* Besonders intensives, leuchtendes Kolorit
* Zeigt die Suche Jawlenskys nach einem allgemeingültigen Urbild des menschlichen Antlitzes
* Spannungsvolles Spiel von Figuration und Abstraktion

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