Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

31

Alexej von Jawlensky

Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden

„Landschaft mit Bäumen“ (Murnau). Um 1909

Öl auf Malkarton, auf Pappe aufgezogen. 49,6 × 53,6 cm. (19 ½ × 21 ⅛ in.) Werkverzeichnis: Jawlensky 272. Ecke unten links ergänzt.  [3556] Gerahmt 

ProvenienzJosef Eberz, München (1920 bei der Aufgabe von Jawlenskys Münchner Atelier erworben, bis 1942) / Gertrud Eberz-Alber, Witwe von Josef Eberz, München (1942–1944) / Paul Beck, Stuttgart (1944 von der Vorbesitzerin erworben, seitdem in Familienbesitz bis 2015)

EUR 300.000 – 400.000
USD 323,000 – 430,000

Verkauft für:
375.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Landschaft mit Bäumen“ (Murnau)

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Ausstellung16. Kunstausstellung: Alexej von Jawlensky. Ölgemälde, Zeichnungen. Villingen-Schwenningen, Beethovenhaus, 1972, Kat.-Nr. 34 (54,5 x 50,5 cm, datiert „um 1912“)

Literatur und AbbildungThe Beck Collection. German Expressionist and Modern Art. 5 Bde. London, Sotheby´s, 8./9.10.2002 und 7.11.2002, hier Bd. I, Kat.-Nr. 4, m. Abb

Der in Sankt Petersburg geborene Alexej von Jawlensky zog im Jahr 1896 gemeinsam mit seiner Förderin und späteren Lebensgefährtin Marianne von Werfekin nach München, um eine private Kunstschule zu besuchen. Hier machte er Bekanntschaft mit mehreren Künstlern, unter anderem mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter. Im Jahr 1908 fanden Jawlensky, Werefkin, Kandinsky und Münter ein sommer-liches Refugium in Murnau am Staffelsee. Sie arbeiteten und experimentierten gemeinsam in der freien Natur und entwickelten einen neuen, expressiven Malstil. Hier entstand die Idee zur Gründung der Neuen Künstlervereinigung München, die als wichtiger Vorläufer des Blauen Reiters betrachtet werden kann.
Auch die französische Avantgarde beschäftigte Jawlensky in diesen Jahren intensiv. Er reiste mehrmals nach Frankreich, wo er sich von Werken Cézannes, Gauguins, Matisse´ und van Goghs inspirieren ließ. Schließlich fand er zur Vollendung seines ganz eigenen Stils: Die Reduktion auf das Wesentliche, der Verzicht auf Perspektive, leuchtende Farben und großzügige Flächen, meist durch dunkle Konturen gefasst, verleihen den Werken Jawlenskys eine unverwechselbare Faszination.
Auch in unserem Bild sind Wiesen, Bäume und Gebirge von dunklen Linien umrandet. Im Himmel lodern die flammenden Farben des Sonnenuntergangs, von Gelborange bis Rosarot. Sie stehen in komplementärem Kontrast zu den kühlen Blau- und Grüntönen des Vordergrunds, der durch freie, lockere Pinselstriche bestimmt ist. Der blaue Berg am Horizont ist ein charakteristisches Merkmal der Murnauer Voralpenlandschaft, das auch im Werk Gabriele Münters mehrfach auftaucht.
Jawlensky selbst verwendete den Begriff der „Synthese“ für seinen speziellen Stil, der Natureindruck und innere Vision umspannt. Ist die von ihm porträtierte Landschaft in unserem Gemälde noch deutlich zu erkennen, geht diese in der ab 1914 anschließenden Werkgruppe der „Variationen über ein landschaftliches Thema“ zunehmend in der Abstraktion auf.
NB

* Meisterwerk aus der wichtigsten Schaffensphase des Künstlers
* Entstand in Murnau zur Zeit der Gründung der Neuen Künstlervereinigung München
* Neuartige Landschaftsauffassung mit leuchtendem Kolorit

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