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Ausgewählte Werke

35

Johannes Molzahn

Duisburg 1892 – 1965 München

„Musik“. 1916

Öl auf Leinwand. 100,5 × 80,5 cm. (39 ⅝ × 31 ¾ in.) Rechts mittig signiert: Molzan [!]. Rückseitig ein Etikett der Galerie Der Sturm, Berlin. Werkverzeichnis: Gries 21 A.  [3377] Gerahmt 

ProvenienzLoretto Molzahn (Witwe des Künstlers), München / Johannes Molzahn-Centrum, Kassel / Privatsammlung, Europa

EUR 80.000 – 120.000
USD 95,200 – 143,000

Verkauft für:
100.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Musik“

Auktion 330Donnerstag, den 10. Juni 2021, 18.00 Uhr

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AusstellungDer Sturm. 61. Ausstellung. William Wauer, Johannes Molzahn, Oskar Fischer, Kunstschule Der Sturm. Berlin, Galerie Der Sturm, März 1918, Kat.-Nr. 41 / Sturm-Ausstellung in der Galerie Ernst Arnold, Breslau. 1918, Kat.-Nr. 59 / Der Sturm. 70. Ausstellung. Paul Klee, Johannes Molzahn, Kurt Schwitters. Berlin, Galerie Der Sturm, 1919, Kat.-Nr. 34 / Der Sturm. Stuttgart, Ausstellungsgebäude, 1919, Kat.-Nr. 102 / Deutscher Expressionismus Darmstadt 1920. Darmstadt, Städtisches Ausstellungsgebäude Mathildenhöhe, 1920, Kat.-Nr. 454 / Galerie Der Sturm, Berlin (?) / Johannes Molzahn. München, Katholische Akademie in Bayern, Kardinal Wendel Haus, 1972, Kat.-Nr. 1 / Johannes Molzahn, Wien, Galerie nächst St. Stephan, 1973 / Johannes Molzahn. Gemälde und Grafik. Graz, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, 1973, Kat.-Nr. 1 / Johannes Molzahn. Regensburg, Ostdeutsche Galerie, 1974, Kat.-Nr. 1 / Johannes Molzahn. Das malerische Werk. Duisburg, Wilhelm Lehmbruck Museum, 1988, Kat.-Nr. 4, Abb. / Kunstwende. Der Kieler Impuls des Expressionismus 1915–1922. Kiel, Stadtgalerie im Sophienhof, 1992, Kat.-Nr. 161, Abb. S. 3

Literatur und AbbildungHerbert Schade: Johannes Molzahn – Einführung in das Werk und die Kunsttheorie des Malers. München, Schnell & Steiner, 1972, S. 22, 25, 117, Abb. Tafel 5

Johannes Molzahn, einer der wichtigsten frühen Vertreter der abstrakten Kunst im 20. Jahrhundert, hatte während seiner Ausbildung zum Fotografen zwischen 1908 und 1914 prägende Jahre in der Schweiz verbracht. Damals lernte er in Zürich den Maler Otto Meyer-Amden kennen, der wiederum einen engen Austausch mit Künstlern wie Oskar Schlemmer, Johannes Itten und Willi Baumeister pflegte. Durch deren Vorstellung, geometrische Strukturen und nur durch Farben ausgedrückte Empfindungen zu einem neuen, komplexen Ganzen zusammenzuführen, gelangte Molzahn schließlich auch zur Malerei. Noch während des Ersten Weltkriegs entstand 1916 Molzahns erste Werkgruppe, in der er die Anregungen seiner Künstlerfreunde und Mentoren in eine eigene Bildsprache überführte. Zu diesen Arbeiten gehört neben „Schöpfung I und II“ auch das Gemälde „Musik“. In ihm übersetzt Molzahn die realen und herbeigesehnten Umwälzungen der Zeit in eine kosmische Vision, die pantheistischen Vorstellungen folgt. Im Zentrum der Komposition steht das göttliche Auge, und dass man dort ein menschliches Antlitz sieht, ist kein Widerspruch: Für Molzahn manifestiert sich das Göttliche in allen Erscheinungen der Natur. Um dieses Zentrum legte Molzahn einen Strahlenkranz mit kreisförmigen Objekten, die planetengleich die Mitte des Bildes umkreisen. Auch den Titel hat der Künstler nicht zufällig gewählt. Gerade die frühen Abstrakten (siehe Los 32, Thomas Ring: „Roter Gong“ / „Rote Stimme“) setzten Farben mit Gefühlen und Gefühle mit Klängen gleich. So liegt es nahe, die Abstufungen von Blau, Grün und Rot auch hier in Molzahns Bild als Entsprechungen zu den Harmonien einer Sinfonie zu interpretieren. Wir erkennen Dissonanzen, Linien, die sich nähern, bedrängen und Gegenbewegungen auslösen. Und hört man nicht regelrecht das strahlende C-Dur, wo die auseinanderstrebenden Formen um das Zentrum wirbeln? „Musik“ ist ohne Zweifel eines der ersten Hauptwerke Johannes Molzahns. OH

• Bedeutendes Gemälde aus der frühen kuboexpressionistischen Schaffensphase Molzahns
• Zeittypisch in der Thematisierung der Einheit von Mensch und Kosmos
• Form und Klang sollen im Bild zu einem synästhetischen Erlebnis werden

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