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Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

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Joseph Beuys

Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf

„Filzanzug“. 1970

Genähter Filzanzug. Ca. 170 × 60 cm. (66 ⅞ × 23 ⅝ in.) In der linken Innenseite der Jacke ein Aufnäher mit weißem Stempel und der mit Filzstift eingetragenen Exemplar-Nummer. Werkverzeichnis: Schellmann 26. Einer von 100 nummerierten Anzügen aus einer Gesamtauflage von 110 Exemplaren. Galerie René Block, Berlin 1970.  [3578]

ProvenienzPrivatsammlung, Bayern (bei Edition Schellmann, München, erworben)

EUR 50.000 – 70.000
USD 58,800 – 82,400

„Filzanzug“

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

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Die Multiples von Joseph Beuys umfassen eine Vielzahl von Objekten, Materialien und Formaten. Für Beuys sollten sie „Vehikel“ seiner Ideen und Vorstellungen sein. Er verstand sie als eine demokratische Teilhabe an seiner Kunst.
Das Multiple „Filzanzug“ (1970) ist eine weltweit bekannte Ikone des Werks von Joseph Beuys und steht für dieses Anliegen in herausragender Weise. Filz ist neben Fett ein zentrales Material im Werk. Es speichert Wärme, nach Beuys die grundlegende Voraussetzung für kreative Prozesse. Filz ist aber zugleich Isolator nach außen. So definiert der Künstler den „Filzanzug“ u.a. auch als „ein Zeichen für die Isolation des Menschen in unserer Zeit“ (Joseph Beuys zit. nach: Carl Haenlein (Hg.): Joseph Beuys. Eine innere Mongolei. Hannover 1990, S. 206).
Indem der Mensch durch seine Kleidung Wärme speichert, kann er sich erhalten. Er vermag diese Wärme aber auch abzugeben an andere. In dieser Doppelfunktion steht der „Filzanzug“ für die kreativen Möglichkeiten des Menschen. Es liegt in dessen Hand, sich zu entscheiden, welchen Weg er geht. Beuys selbst hat den Anzug nur einmal getragen – in der Aktion „Action the dead mouse/Isolation Unit“ (1970) mit Terry Fox in Düsseldorf. In der Definition als Multiple ist er jedoch nicht von anderen zu benutzen. Mit der vom Künstler vorgegebenen Präsentation als Wandobjekt ließe sich der „Filzanzug“ daher als multiplizierte Verkörperung des Künstlers selbst lesen, als schwebe ergleichsam im Raum, dem Betrachter zugewandt – als Mahnung und Zuversicht zugleich. KDP

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