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Ausgewählte Werke

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Otto Dix

Gera-Untermhaus 1891 – 1969 Singen

„Scene I“. 1922

Aquarell über Bleistift auf Papier (aus einem Skizzenblock). 48,5 × 36,7 cm. (19 ⅛ × 14 ½ in.) Oben links signiert, datiert und bezeichnet: DIX 22/153. Auf der Rückpappe Etiketten der Ausstellungen Frankfurt a.M., Berlin, Omaha und New York 1991/92 und Den Haag, Stockholm und Helsinki 1995/96 (s.u.) sowie der Marlborough Fine Art Ltd., London. Werkverzeichnis: Pfäffle A 1922/9.  [3376] Gerahmt 

ProvenienzJanet und Marvin Fishman, Milwaukee / Privatsammlung, Europa

EUR 60.000 – 80.000
USD 71,400 – 95,200

Unter Vorbehalt:
50.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Scene I“

Auktion 330Donnerstag, den 10. Juni 2021, 18.00 Uhr

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AusstellungOtto Dix. Bilder, Aquarelle, Zeichnungen, Das graphische Gesamtwerk 1913-1960. Berlin, Galerie Nierendorf, 1961, Kat.-Nr. 19, Abb. S. 9 / Otto Dix. Ölgemälde 1913-1963, Aquarelle, Das graphische Werk. Berlin, Kongresshalle, 1963, Kat.-Nr. 103 / Otto Dix. Personale retrospettiva. Mailand, Galleria del Levante, 1964, Kat.-Nr. 19 / Otto Dix. Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen 1920-1927. München, Galerie Klihm, 1970, Kat.-Nr. 4, Abb. / Otto Dix. Aquarelles, Dessins. Paris, Goethe-Institut, 1970, Kat.-Nr. 9 / Otto Dix. Aquarelle, Zeichnungen, Radierfolge „Der Krieg“. Essen, Museum Folkwang; Frankfurt a. M., Kunstverein; Bielefeld, Kunsthalle, 1971/72, Kat.-Nr. 74, Abb. / Otto Dix. Acquerelli, disegni, incisioni. Rom, Galleria Giulia, Goethe Institut, Biblioteca Germanica, 1972, Kat.-Nr. 74 / Otto Dix. Wien, Galerie Herzog im Pferdestall, 1974, Kat.-Nr. 71 / Art in Germany 1909–1936. From Expressionism to Resistance. The Marvin and Janet Fishman Collection. Milwaukee, Milwaukee Art Museum; Berlin, Berlinische Galerie; Frankfurt a.M., Schirn-Kunsthalle; Emden, Kunsthalle; New York, The Jewish Museum; Omaha, Joslyn Art Museum; Atlanta, High Museum, 1990/91, Kat.-Nr. 27, Abb. S. 44 / Art et Résistance. Les Peintres allemands de l’entre-deux-guerres – La Collection Marvin et Janet Fishman. Den Haag, Museum Paleis Lange Voorhout; Stockholm, Liljevalchs Konsthall; Helsinki, Helsingin Taidehalli; Brüssel, Palais des Beaux-Arts, 1995/96, Kat.-Nr. 26 / Magic Realism. Art in Weimar Germany 1919–33. London, Tate Modern, 2018/19, S. 106, Abb. S. 35

Literatur und AbbildungBrigid S. Barton: Otto Dix and Die Neue Sachlichkeit 1918–1925. Michigan, University Microfilms Inc., 1981, S. 141, V B 8

Die Zwanzigerjahre, die junge Metropole Berlin mit ihren Sonnen- und Schattenseiten: einhundert Jahre danach, am Beginn der Zwanzigerjahre des 21. Jahrhunderts, faszinieren sie ein Millionenpublikum mehr denn je. Gerade wird die vierte Staffel der aufwendigen, zum internationalen TV-Hit avancierten Fernseh-Serie „Babylon Berlin“ produziert – und es gibt wenige Künstler, die der Zeit damals so eindrucksvoll Ausdruck verliehen haben wie Otto Dix. Die Komposition von „Scene I“ illustriert die Dramatik des Motivs. Sie hat etwas Filmisches: Rechts im Vordergrund der Lustmörder im Anzug mit Krawatte und Bowler-Hut, noch ganz erregt von seiner skandalösen Tat, wie er im Begriff ist, aus dem Bild herauszutreten. Links von ihm, im Mittelgrund, am mit einigen fahrigen grünen und orange-farbenen Pinselstrichen angedeuteten Fußboden, nackt die junge Frau, die er gerade gemeuchelt hat. Otto Dix war nicht nur ein Meister, wenn es um die psychologische Erfassung seiner Figuren ging. Er war, wie dieses Blatt beweist, auch ein herausragender Kolorist. Das Rot des Vorhangs oder der Dachschräge, so genau lässt sich das nicht bestimmen, findet sich wieder auf dem geschundenen Frauenkörper. Aber eine wirklich ungesunde Färbung nimmt dieses Rot erst im Gesicht des Mörders an, wo es sich mit den blaugrauen Tönen mischt, die Dix auch dessen Anzug gegeben hat. Ein wässriges Grau, aus dem bereits alles Leben gewichen ist, hat der Künstler der linken Bildhälfte vorbehalten – dort, wo wir das Bett der jungen Frau sehen. Die Aquarelltechnik, die Dix hier virtuos zur Entfaltung bringt, tut ein Übriges, um zur Dramaturgie beizutragen: Leben und Sterben, lustvolle Erregung und der tiefste menschlich-moralische Abgrund, alles fließt zusammen, geht ineinander über. Diese exzellente, kraftvolle Arbeit auf Papier, sie steht der Ausstrahlung von Otto Dix’ Gemälden in nichts nach. UC

• Antibürgerliches Statement zwischen Kolportage und Zeitkritik
• Hervorragendes Beispiel für Dix’ radikale Gewaltfantasien als Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse
• Virtuos im Einsatz des Kolorits und der Aquarelltechnik

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