Lupe

Herbstauktionen 2020

Sammlung Calábria

610

Bernard Schultze

Schneidemühl 1915 – 2005 Köln

„Chimäre“. 1955

Öl und Harz über Gaze auf Leinwand. 40 × 50 cm. (15 ¾ × 19 ⅝ in.) Rückseitig mit Pinsel in Schwarz betitelt, signiert und bezeichnet: „Chimäre“ Bernard Schultze Frankfurt/M. Werkverzeichnis: Herrmann 55/15.  [3513] Gerahmt 

ProvenienzEhemals Will Grohmann, Berlin

EUR 5.000 – 7.000
USD 5,880 – 8,240

Verkauft für:
15.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Chimäre“

Auktion 326Freitag, den 4. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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Leuchtendes, glühendes Rot kämpft mit hellem, eiskaltem Blau. Erdiges Grün und Braun ziehen den Blick in die Tiefe, während sich daneben feine Pinselstriche spreizen wie Vögel, die ihre Flügel entfalten. Dazwischen: Fingerspuren in der Farbmasse, die archaischste der malerischen Gesten. Bernard Schultze war nicht nur ein Meister des europäischen Informel, er war auch ein Magier der Farbe und Imagination. Dieses nur oberflächlich gesehen „kleine“ Bild vereint alles, was Schultzes Kunst ausmacht und seinen Rang als herausragender Vertreter der Abstraktion nach 1945 begründet: ein exquisites, ausdrucksstarkes Kolorit, eine regelrecht explosive Dynamik der Bewegung, dazu Formen und Andeutungen von Formen, welche geeignet sind, die Vorstellungskraft der Betrachter in ihren Bann zu ziehen wie der Magnet die Eisenspäne. Bernard Schultze, dreimaliger Documenta-Teilnehmer, gab dem Gemälde nicht zufällig den Titel „Chimäre“, ein Begriff, der aus der altgriechischen Mythologie stammt und laut Homer ein Mischwesen aus Ziege, Löwe und Schlange bezeichnet: Kaum glaubt man, in dieser gnadenlosen Ungegenständlichkeit einen Gegenstand erkannt zu haben, entzieht sich das Bild wieder, und jede Gewissheit ist dahin. Schultze hat im Verlauf seiner Jahrzehnte umspannenden Laufbahn viele großartige Werke geschaffen, doch dieses strahlt eine besondere Kraft aus. Das empfand auch Will Grohmann so, einer der profiliertesten Kritiker der Nachkriegszeit und unter den Theoretikern der wohl vehementeste Fürsprecher und strengste Richter der abstrakten Malerei: Er war der erste Besitzer der „Chimäre“, bevor sie Eingang in die Sammlung Mário Calábrias fand und nun zur Auktion gelangt. UC

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