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Ausgewählte Werke

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Kurt Schwitters

Hannover 1887 – 1948 Ambleside/England

„Ohne Titel (Stykkgods)“. 1937/38

Merzzeichnung: Collage, Stoff, Papier und Fotografie auf Papier, auf Unterlagekarton montiert. 20,2 × 16,3 cm (38 × 27,5 cm). (8 × 6 ⅜ in. (15 × 10 ⅞ in.)) Werkverzeichnis: Orchard/Schulz 2257. Farben teils geblichen.  [3230] Gerahmt 

ProvenienzErnst Schwitters, Lysaker (1948–1962, Erbschaft vom Künstler) / Konstsalongen Samlaren, Stockholm, 1962 (in Kommission) / Privatsammlung, Schweden

EUR 80.000 – 120.000
USD 93,000 – 140,000

Verkauft für:
118.750 EUR (inkl. Aufgeld)

„Ohne Titel (Stykkgods)“

Auktion 336Donnerstag, den 2. Dezember 2021, 18.00 Uhr

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Der Unterlagekarton ist rückseitig mit einer Bestätigung von Ernst Schwitters, Stockholm, vom 25. September 1962, versehen. Ernst Schwitters übergab 1993 sein Archiv zum Werk von Kurt Schwitters an das Sprengel Museum, Hannover. Es bildete später die Grundlage für das Werkverzeichnis von Karin Orchard und Isabel Schulz.

AusstellungKurt MERZ Schwitters. 1887–1948. Retrospektivt. Stockholm, Konstsalongen Samlaren, 1962, Kat.-Nr. 128 / Kurt Schwitters i svensk ägo. Stockholm, Konstsalongen Samlaren, 1967, Kat.-Nr. 45

Ein Stück Pappe, Zettel, ein paar Fetzen rotes Papier, etwas blaue Farbe, ein Foto mit beschnittenen Rändern – mehr brauchte Kurt Schwitters nicht, um diese eindrucksvolle Collage zu fertigen. Der Dadaist war nicht nur Erfinder der Merz-Kunst und Urheber der Merz-Bauten (in Hannover und in Lysaker in Norwegen), zweier dadaistisch-konstruktivistischer Räume, die heute als Vorläufer der Rauminstallation gelten. Schwitters war auch ein Meister darin, aus sehr wenig sehr viel zu machen, wie die Arbeit „Ohne Titel (Stykkgods)“ aus den Jahren 1937/38 zeigt.
Von anderen Dadaisten – Hannah Höch vielleicht ausgenommen – unterschied sich Schwitters durch seinen ausdrücklichen Willen zur Form. So besticht auch „Ohne Titel (Stykkgods)“ auf Anhieb durch ihre elaborierte Komposition. Von Senkrechten und Halbkreisen bestimmt, weist sie Spannungen auf, die in eine Dynamik übergehen, welche die Werke anderer Vertreter der Dada-Bewegung oft vermissen lassen. Hier ist nichts beliebig oder zufällig an seinem Platz. Bei Schwitters findet das Rohe und Grobe zu feingliedriger Harmonie.
Und die Arbeit „Ohne Titel (Stykkgods)“ ist noch aus einem anderen Grund bedeutend. Der im Titel auftauchende Ausriss rechts oben gibt den Hinweis: Bei dieser Collage handelt es sich um eines der ersten Werke, die Schwitters im norwegischen Exil schuf. 1937 war er aus Sorge vor Verfolgung durch die Nationalsozialisten dorthin geflüchtet und blieb im Land, bis die Deutschen drei Jahre später auch Norwegen besetzten. Die Bedrängnis, die der Künstler empfunden haben muss, behielt er offensichtlich für sich – seinem Schaffen konnte sie jedenfalls nichts anhaben. „Ohne Titel (Stykkgods)“ ist von bezwingender Leichtigkeit und Eleganz.
UC

• Typische Collage des wohl bedeutendsten deutschen Dadaisten
• Eines der ersten Werke, die Kurt Schwitters im norwegischen Exil schuf
• Bei Schwitters findet das Rohe zu feingliedriger Harmonie

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