Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

37N

Lyonel Feininger

1871 – New York – 1956

„Town Hall of Cammin (Rathaus von Cammin)“. 1947

Öl auf Leinwand. 63,5 × 50,5 cm. (25 × 19 ⅞ in.) Unten rechts signiert: Feininger. Auf dem Keilrahmen oben mit Feder in Schwarz signiert, datiert und betitelt: Lyonel Feininger 1947 „Town Hall of Cammin“. Auf der Rückpappe ein Etikett der Marlborough-Gerson Gallery, New York. Werkverzeichnis: Hess 476.  [3077]

ProvenienzNachlass des Künstlers / Marlborough-Gerson Gallery, New York / Privatsammlung (bei Marlborough-Gerson erworben, bis 2006) / Privatsammlung, Russland

EUR 150.000 – 200.000
USD 161,000 – 215,000

Verkauft für:
125.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Town Hall of Cammin (Rathaus von Cammin)“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Das Leben Lyonel Feiningers ist geprägt von den großen Brüchen des 20. Jahrhunderts. Geboren in New York, geht er mit 16 Jahren nach Europa, um Musik zu studieren, wird erst Karikaturist, später Maler. Nach dem Ersten Weltkrieg gestaltet er das Titelblatt des Bauhaus-Manifests, wichtige deutsche Museen erwerben in den Zwanzigerjahren seine Arbeiten. 1937 verlässt er Deutschland, nimmt einen Lehrauftrag in den USA an. Im Rahmen der „Säuberung“ deutscher Museen werden 400 Arbeiten von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft. Eine Rückkehr nach Deutschland ist unmöglich. In den USA erkennt er, dass seine Stellung als berühmter avantgardistischer Maler ihm hier nicht hilft. Er muss um Anerkennung, Aufträge und die Gunst von Publikum und Kritik kämpfen. An Gerhard Marcks schreibt er 1954: „Ich besitze 10.000 Skizzen aus Deutschland – von Weimar und Thüringen, und von der Ostsee vor allem und lebe in ihnen täglich“ (zit. nach: Lyonel Feininger. Von Gelmeroda nach Manhattan. Ausst.-Kat. Berlin, Neue Nationalgalerie, 1998, S. 292).
Unser Gemälde aus dem Jahr 1947 ist ein typisches Erinnerungswerk an seine Sommeraufenthalte an der pommerschen Ostseeküste, die Feininger mit seiner Familie ab 1924 in Deep verbrachte. Auf Ausflügen in die Umgebung entdeckte er den Ort Cammin mit seinem prächtigen gotischen Rathaus. Wir sehen dieses Gebäude lediglich in scharfem Anschnitt an der linken Bildkante, der Stufengiebel betont seine herausgehobene Stellung gegenüber den gedrungenen Häusern auf der anderen Straßenseite. Das mittelalterliche Rathaus war für den Künstler ebenso wie die alten Dorfkirchen, die er immer wieder malte, Sinnbild einer mystischen Vergangenheit, deren Fülle und Gehalt er in seiner Kunst aufzeigen wollte. Der Reiz des Werkes geht vom Kontrast zwischen der grafischen Anlage der Architekturformen – mit sparsamem Einsatz von Orange und Rot – und dem leuchtend türkisblauen Himmel aus, der die Nähe des Meeres ahnen lässt.
OH

* In den USA entstandenes Erinnerungsbild an frühere Aufenthalte an der Pommerschen Ostseeküste
* Reizvoller Kontrast aus grafischen und malerischen Elementen
* Lyonel Feininger als Meister der expressionistischen Stadtansicht

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