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Moderne Kunst

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Hans Poelzig

1869 – Berlin – 1936

Metamorphosen. Um 1928/33

Öl auf Leinwand. Hinterspannt mit einer weiteren Leinwand. 140 × 170,5 cm. (55 ⅛ × 67 ⅛ in.) [3363] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Niedersachsen

EUR 25.000 – 35.000
USD 29,800 – 41,700

Verkauft für:
65.000 EUR (inkl. Aufgeld)

Metamorphosen

Auktion 331Freitag, den 11. Juni 2021, 11.00 Uhr

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AusstellungHans Poelzig. Ölbilder, Pastelle. Hamburg, Galerie Brockstedt, 1995

Literatur und AbbildungChristian Marquart: Hans Poelzig. Architekt, Maler, Zeichner. Tübingen, Berlin, Ernst Wasmuth Verlag, 1995, S. 64, Abb. S. 65

Neben Peter Behrens und Walter Gropius, Mies van der Rohe und den Brüdern Taut zählt Hans Poelzig zu den bedeutendsten Architekten der klassischen Moderne in Deutschland. Wie sein spektakuläres, großformatiges Gemälde „Metamorphosen“ eindrucksvoll zeigt, war Poelzig auch der vielseitigste unter ihnen. Zwar betätigte sich Bruno Taut mit seiner Aquarellserie der „Alpinen Architektur“ ebenfalls künstlerisch, doch von da zu einem so grandiosen, eigenständigen Werk wie Poelzigs „Metamorphosen“ ist es mehr als nur ein großer Schritt.
Poelzig war schon als Architekt und expressionistischer Bühnenbildner ein Visionär. Mit diesem Gemälde schuf er ein Werk, das in der Kunst der späten Zwanzigerjahre singulär ist. In seiner gestisch-expressiven Malweise und der dunklen, fast düsteren Farbkomposition hat „Metamorphosen“ etwas von einem Vorgriff auf die Kunst des Informel, die rund zwanzig Jahre und einen Weltkrieg später in Paris entstand.
Tatsächlich erscheint dieses Bild beinahe zeitlos – diesen malerischen Gestus und die Nähe zu Naturassoziatio-nen wie Landschaften oder geologischen Formationen kennt man auch vom Schaffen eines Künstlers wie dem 2018 verstorbenen Dänen Per Kirkeby (von dem es übrigens auch herausragende architektonische Werke gibt).
Auch was das Kolorit betrifft, erweist sich Poelzig hier nicht als malender Architekt, sondern als Maler, der auch gebaut hat. Grüne, blaue und dunkelgraue Töne bestimmen farblich das Geschehen, dem der Künstler mit weißen und hellgelben Zonen zusätzlich Dynamik gab, um der Komposition schließlich mit einzelnen, sicher gesetzten roten und rötlichen Lichtern zu Ausgewogenheit und Harmonie zu verhelfen. Als Hans Poelzig die „Metamorphosen“ schuf, war er fast sechzig Jahre alt. Er konnte dafür also aus einer lebenslangen Beschäftigung mit der Kunst schöpfen – andererseits wirkt das Bild so frisch, als sei es von einem jungen Mann gemalt.
UC

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