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Kunst des 19. Jahrhunderts

138

Carl Robert Kummer

1810 – Dresden – 1889

Bucht bei Colares (Portugal). (Nach) 1859

Öl auf Papier, vom Künstler auf Karton aufgezogen. 27,8 × 47,7 cm. (11 × 18 ¾ in.) Rückseitig unten rechts mit Feder in Braun bezeichnet: Zur Erinnerung an Robert Kummer. Oben in der Mitte auf einem aufgeklebten Stück Papier der Stempel Lugt 1596 bis. Werkverzeichnis: Nicht bei Nüdling (vgl. die Zeichnung „Colares“, Nüdling 405).  [3383] Gerahmt 

ProvenienzEhemals im Nachlass des Künstlers

EUR 5.000 – 7.000
USD 5,950 – 8,330

Verkauft für:
6.250 EUR (inkl. Aufgeld)

Bucht bei Colares (Portugal)

Auktion 328Mittwoch, den 9. Juni 2021, 15.00 Uhr

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Wir danken Dr. Elisabeth Nüdling, Fulda, für die Bestätigung der Authentizität des Gemäldes.

Carl Robert Kummer, der Dresdner „Reisemaler“, hatte sich 1859 für seine Studien nach Portugal begeben, um seiner Sehnsucht nach fremden Landschaften zu folgen. Ermöglicht wurde ihm die Reise durch den sächsischen Prinzen Georg (den späteren König Georg I. von Sachsen), der dort die 16-jährige portugiesische Königstochter Maria Anna von Portugal (1843-1884) heiratete. Kummer hatte vom Prinzen den Auftrag erhalten, für die Braut die schönsten Ansichten ihrer Heimat zur Erinnerung in Bildern festzuhalten.
Abseits der Hochzeitsgesellschaft konnte Kummer ganz in Ruhe die portugiesische Landschaft erkunden und hielt sich dabei vornehmlich in der Gegend um Lissabon auf. Von dort zog es ihn weiter nach Sintra, wo er auf den Spuren von Lord Byron den pittoresken Küstenort mit dem Königssitz Schloss Pena künstlerisch festhielt. Der königliche Palast wurde mehrfach Gegenstand monumentaler Gemälde (Kunstsammlungen Chemnitz), die in ihrer Größe und Farbigkeit in auffälligem Kontrast zu der feinen, hier vorliegenden Landschaftsstudie stehen.
Kummer wählte als Motiv eine geschützte Bucht am Küstenort Colares, westlich von Sintra gelegen. Felsbänke rahmen die Landschaft seitlich, einzig das Kommen und Gehen der Brandung machte er zum Thema. Die Studie kommt ohne menschliche Staffage aus, lediglich der für Kummer so charakteristische, leicht bewölkte, aber dennoch klare Abendhimmel taucht die Landschaft in ein warmes, friedliches Licht. Die sandige Vordergrundpartie bleibt in gröberen Pinselstrichen angedeutet, während der Mittelgrund samt Brandung, vor allem jedoch der Himmel in feiner Manier ausgearbeitet ist und Kummers malerisches Können voll zum Ausdruck bringt. Er war ein Meister in der Darstellung atmosphärischer Phänomene, die zeit seines Lebens im Zentrum seines künstlerischen Interesses standen.
Eine lavierte Federzeichnung mit identischer Ansicht (Nüdling 2007, WVZ 405) aus Privatbesitz trägt die Bezeichnung „Colares bey Cinta 1859“. Sie mag Kummer für dieses Werk als Vorlage gedient haben. Noch viele Jahre später nutzte Kummer für die Gemälde seinen reichen Fundus an Skizzen, die er auf all seinen Reisen gesammelt hatte. So mag auch dieses Blatt nachträglich im Dresdner Atelier vollendet worden sein.
Es sind genau diese Landschaften, die Kummers Naturauffassung wohl am treffendsten wiederspiegeln: thematisch eher unspektakuläre Ansichten, die allein durch das Zusammenspiel von Landschaft und Atmosphäre ihre angenehme Wirkung auf den Betrachter entfalten. Sie zeugen von Kummers realistischer Sicht auf die Natur, ohne jedoch seine romantischen Wurzeln zu verleugnen.

Elisabeth Nüdling

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