Lupe Stift

Sommerauktionen 2020

Von Dürer bis Balkenhol – Ausgewählte Werke

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Willi Baumeister

1889 – Stuttgart – 1955

„Samurai (Eidos)“. 1940

Öl auf Leinwand. 65,5 × 46 cm. (25 ¾ × 18 ⅛ in.) Unten rechts signiert und datiert: Baumeister 40. Auf dem Keilrahmen ein Aufkleber, mit Bleistift betitelt und signiert: Samurai Baumeister. Werkverzeichnis: Beye/Baumeister 888 / Grohmann 600.  [2083]

ProvenienzSophia von Waldthausen, Stuttgart/Münsing / Galerie Art 204, Düsseldorf / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen

EUR 100.000 – 150.000
USD 108,000 – 161,000

Verkauft für:
125.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Samurai (Eidos)“

Auktion 319Donnerstag, den 9. Juli 2020, 18.00 Uhr

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Literatur und Abbildung15. Auktion: 20. Jahrhundert. 19. Jahrhundert, Frankreich. München, Galerie Wolfgang Ketterer, 1.-5.12.1975, Kat.-Nr. 85, m. Abb

Linien, deren Schwung zu Andeutungen von Gegenständen und Figuren werden; das Unbestimmte, das seinen Weg vom Nichts über das Vage zur konkreten Darstellung findet - so oder so ähnlich könnte man beschreiben, was man auf Willi Baumeisters Gemälde „Samurai (Eidos)“ sieht.
1940 entstanden, ist dieses Bild aber auch und nicht zuletzt eine Überraschung. Im zweiten Jahr des von den Deutschen begonnenen Krieges, acht Jahre, nachdem die Nationalsozialisten ihr diktatorisches Regime errichten, gelang Baumeister ein Kunstwerk, das Raum und Zeit hinter sich zu lassen scheint und nur für sich und aus sich heraus existiert.
„Der Zeitenfluss, eine Permanenz ewiger Gegenwart und zugleich das Vorwärts in die Zukunft, geht stetig dem Unbekannten entgegen,“ so formuliert es der eigentlich in Stuttgart lebende Künstler wenige Jahre später, 1943/44, in seiner Isolation auf der Schwäbischen Alp in seinem berühmt gewordenen Traktat „Das Unbekannte in der Kunst“ (Willi Baumeister: Das Unbekannte in der Kunst, Stuttgart 1947, zit. nach Charles Harrison, Paul Wood (Hg.): Kunsttheorie im 20. Jahrhundert, Ostfildern-Ruit 1998, Bd. 2, S. 753).
In dieser luziden Schrift greift Baumeister Elemente der gerade in der Avantgarde im Entstehen begriffenen Philosophie des Existenzialismus auf und verbindet sie mit Ideen und Vorstellungen, die man am ehesten in fernöstlichen Religionen wie dem Hinduismus oder dem Buddhismus findet.
Für ein Bild wie „Samurai (Eidos)“ liefert der Künstler darin selbst die besten Interpretationshilfen: „Die leeren Kalenderblätter,“ so fährt er im Kapitel „Das Unbekannte als zentraler Wert“ fort, „füllen sich mit den Hieroglyphen des geschehenden Lebens. Der anbrechende Tag gleicht dem Werden eines Werkes, das die Arabesken der Kunst gleich farbigen Augenblicken aneinanderreiht. Die Rätsel der Welt werden bildhaft im Entstehen.“
UC

* Meisterwerk eines der Hauptvertreter der Abstraktion in Deutschland
* Entstanden während des Zweiten Weltkriegs in völliger Isolation

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