Lupe

Herbstauktionen 2020

Von Beuys bis Liebermann – Ausgewählte Werke

52

Josef Mangold

1884 – Köln – 1937

Stillleben. 1920er-Jahre

Öl auf Leinwand. 65,3 × 50,3 cm. (25 ¾ × 19 ¾ in.) Unten rechts signiert: Jos. Mangold. Auf dem Keilrahmen signiert und bezeichnet: Jos Arnold Köln Arnoldshöhe Heidekaul. Kleine Retuschen.  [3547] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Berlin

EUR 30.000 – 40.000
USD 35,300 – 47,100

Verkauft für:
37.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Stillleben

Auktion 324Donnerstag, den 3. Dezember 2020, 18.00 Uhr

Los empfehlen

Zustandsbericht anfordern

Der gebürtige Kölner Josef Mangold war als Maler Autodidakt, was insofern verblüfft, als er einen virtuosen, feinzeichnerisch altmeisterlichen Malstil pflegte. Doch sind seine Bilder unzweifelhaft Ausdruck ihrer Zeit und innerhalb der Neuen Sachlichkeit dem Magischen Realismus zuzuordnen.
Unser Blumenstillleben ist nicht nur ein herausragendes Beispiel für Mangolds malerisches Können, sondern auch für die Hintersinnigkeit seiner Kunst. Alles in diesem Bild ist mit peinlichster Genauigkeit wiedergegeben: die weiße Vase mit dem farbenfrohen Blumenbouquet, welches ein Diadem aus zierlichen, weißen Blüten mittig krönt; die kahle Fensternische und der aufgeklappte grüne Laden, mit denen Mangold, Mitglied der aus der Künstlervereinigung „Das junge Rheinland“ entstandenen Rheinischen Sezession, die aseptische Maschinenmalerei Konrad Klaphecks vorwegnahm; und nicht zuletzt der karge Innenraum mit den parallel verlaufenden Dielen.
All dies erscheint zunächst ganz alltäglich, erhält jedoch durch die präzise Wiedergabe eine unwirkliche Note – als sähe man die Welt durch ein Brennglas. Diese Sichtweise vieler neusachlicher Maler nannte man treffend den „kühlen Blick“, der jedes Objekt exakt und gleichwertig registriert wie ein Fotoapparat. Die Gegenstände sind wie isoliert in einem gläsernen, luftleeren Raum, in dem die Welt erstarrt ist und die Zeit stillsteht.
Mangolds Stillleben wirft zudem irritierende inhaltliche Fragen auf: Warum ist der Wohnraum leer? Wozu die Blumen, wenn niemand mehr da ist? Was will der Maler mit dem abblätternden Putz im Bildvordergrund andeuten, der im krassen Gegensatz zur Makellosigkeit der übrigen Gegenstände steht? Die Antworten bleiben offen. Sie zu finden ist der Imagination des Betrachters überlassen. AF

* Herausragendes Beispiel für den Magischen Realismus im Deutschland der 1920er-Jahre
* Komplexes Spiel mit abstrakter Flächigkeit und räumlicher Tiefe

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.